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Donnerstag, 24.05.2012
Molekül-Blocker gegen Multiple Sklerose
Göttinger Unternehmen will neuen Wirkstoff entwickeln
Ein neuartiges Medikament aus Mikroproteinen gegen Multiple Sklerose entwickeln zurzeit Göttinger Biotechnologen.

Nervenzelle
Nervenzelle
© NIH
Weltweit leiden rund 2,5 Millionen Menschen an Multipler Sklerose. Die Krankheit tritt meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf und ist eine so genannte Autoimmunerkrankung - eine Fehlsteuerung des Immunsystems, das plötzlich Zellen und Strukturen des eigenen Körpers angreift statt von außen eingedrungene Erreger zu bekämpfen. Im Fall der Multiplen Sklerose sind es die Myelinscheiden - die Isolier-Schicht, die die Nervenfasern umhüllt - gegen die die körpereigene Abwehr ihre T-Zellen mobilisiert. Diese Immunzellen bauen die Myelinscheiden ab. Störungen der Reizleitung in den Nervenbahnen sind die Folge.

Um vom Blut in das Nervengewebe vordringen zu können, benötigen die fehlgeleiteten Abwehrzellen ein Molekül namens VLA-4 auf ihrer Oberfläche, das sie befähigt, die Wände der Blutgefäße zu durchdringen. Wirkstoffe, die VLA-4 gezielt blockieren, können das Fortschreiten der Multiplen Sklerose aufhalten und die Ausbrüche der schubweise auftretenden Krankheit abmildern.

Klein, stabil und wirkungsvoll
Dieses Verfahren wird in der Medizin bereits angewandt: "Im Labor hergestellte Antikörper, die spezifisch gegen VLA-4 gerichtet sind, befinden sich in der fortgeschrittenen klinischen Erprobung. Sie haben aber eine Reihe von Nachteilen", erklärt Dr. Harald Kolmar vom Biotechnologie-Unternehmen Selecore. "Sie sind instabil und schwierig zu lagern, können nicht in Tablettenform eingenommen werden und ihre Herstellung ist aufwändig und teuer." Kleinere und stabilere Moleküle, die an VLA-4 binden können, haben ebenfalls ihre Tücken: Ihnen fehlt die Spezifität - sie blockieren also neben VLA-4 auch andere Strukturen im menschlichen Körper. Bedenkliche Nebenwirkungen können die Folge sein.

Die Forscher will der Krankheit deshalb mit neuartigen Medikamenten zu Leibe rücken, den Mikroproteinen. Diese kleinen Eiweißstoffe - sie bestehen nur aus rund 30 Aminosäure-Bausteinen, wesentlich weniger als die meisten anderen Proteinmoleküle - können leicht mit chemischen und biotechnologischen Verfahren so angepasst werden, dass sie gegen das VLA-4 wirken. Stabil und spezifisch zugleich, sollen sie die Vorteile von Antikörpern und kleinen chemischen Wirkstoffen vereinen - und vor allem einfach und preisgünstig herzustellen sein.

Die Wissenschaftler hoffen, in einigen Jahren eine wirtschaftliche Alternative zu bisher gängigen Medikamenten gegen die Multiple Sklerose auf den Markt bringen zu können.

Das BioProfil "Funktionelle Genomanalyse" hat dieses Projekt zur Förderung aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) empfohlen. Die Fördersumme beträgt eine Million Euro.
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