Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 24.05.2012
Erneuerbare Energien: Greenpeace attackiert Stromriesen
Anteil der vier großen Energiekonzerne an Strom aus Wind- und Sonnenkraft beträgt nur 0,5 Prozent
Die vier großen Energiekonzerne RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW verweigern sich der Energiewende. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Berliner Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag von Greenpeace, die die unabhängige Umweltschutzorganisation gestern in Berlin vorgestellt hat. Gerade einmal 0,5 Prozent des Stroms aus Wind- und Sonnenkraft stammt danach von den vier Stromriesen.

Offshore-Windpark
Offshore-Windpark
© DOE/NREL
Daran soll sich Greenpeace zufolge laut der Planung der Konzerne auch in Zukunft wenig ändern. Die Energieversorgung aus Wind- und Sonne wird zu 96 Prozent von Regionalversorgern, Stadtwerken, Bürgerwindparks und Privathaushalten getragen.

Greenpeace: Großkonzerne als Blockierer
„Die schlimmen Ereignisse in Japan haben Deutschland wachgerüttelt. Alle wollen jetzt die Energiewende: raus aus Atom und Kohle und rein in die erneuerbaren Energien. Allein - auf die Hilfe der vier großen Stromkonzerne kann das Land dabei nicht zählen“, sagt Karsten Smid, Energieexperte von Greenpeace.

„Ob nun aus Gründen der Machterhaltung oder weil sie einfach nicht an den Umschwung glauben wollen: So blockieren die vier Großkonzerne den Umstieg Deutschlands in eine sichere, saubere und klimafreundliche Zukunft.“

Regionalversorger, Stadtwerke, Bürgerwindparks und Privathaushalte
Während die vier großen Stromkonzerne mit 68 Prozent der Stromerzeugung eine marktbeherrschende Stellung einnehmen, liegt ihr Anteil bei der Stromerzeugung aus Wind, Biomasse, Erdwärme und Solarstrom ohne alte Wasserkraftanlagen laut Greenpeace bei mageren 0,5 Prozent.

Der Löwenanteil beim Boom der Erneuerbaren Energien stammt dagegen von Regionalversorgern, Stadtwerken, aus Bürgerwindparks und von Privathaushalten. Sie tragen zu 32 Prozent zur Stromgewinnung Deutschlands bei. Von den 13 Prozent deutschen Stroms aus Sonne und Wind liefern sie 12,5 Prozent, so die Natur- und Umweltschutzorganisation.

Offshore-Windstrom bräuchte Großinvestoren
„Die vier Stromriesen bleiben nicht nur heute sondern auch in Zukunft deutlich hinter den politischen Zielvorgaben für eine Energiewende zurück“, erklärt Bernd Hirschl, Hauptautor der Studie. Für die kommenden Jahre wollen E.ON 13 Prozent und RWE 20 Prozent ihrer Gesamtinvestitionen in den Ausbau Erneuerbarer Energien investieren.

Das ist nach Ansicht von Greenpeace viel zu wenig, um bis zum Jahr 2020 die von der Politik geforderten 35 Prozent an Strom aus erneuerbaren Energien im eigenen Strommix zu erreichen.

Umdenken nach Fukushima?
Allerdings stammen die Zahlen aus der Zeit vor Fukushima. Ob nun ein Umdenken in den Konzernzentralen stattfindet, ist offen. Jetzt besteht laut Greenpeace die Chance für einen wirklichen Kurswechsel.

„Die vier großen Energiekonzerne müssen das sinkende Schiff der Atom- und Kohleverstromung verlassen und mit ins Boot der Energiewende kommen“, fordert Smid: „Gerade für den Bau von Offshore-Windparks braucht die Gesellschaft finanzstarke Großunternehmen, die mutig in Zukunftstechnologien investieren. So könnten RWE & Co ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. Andernfalls droht ihnen, wegen atomarer und fossiler Altlasten zum Sanierungsfall zu werden.“

Zur Greenpeace-Studie
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Erneuerbare Energien, Strom, Atomkraft, Windenergie, Solarenergie, Sonnenstrom, Greenpeace, Energie-Effizienz, Offshore-Windparks
Weitere News zum Thema
Große Windfarmen verändern das lokale Klima (30.04.2012)
Turbulenzen durch die Rotoren führen zu höheren Nachttemperaturen
Neue Solarzelle ist dünner als Spinnenseide (04.04.2012)
Folie ist leichter und flexibler als bisherige Photovoltaiktechnologien
Treibhausgase: Deutschland liegt auf Kurs (17.01.2012)
Nationaler Inventarbericht bestätigt Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll
Klimaschutz-Index 2012: Deutschland auf Platz 6 (07.12.2011)
Weltweite Koalition der Verantwortungsvollen muss voran gehen
Geo-Engineering per CO2-Filter lohnt sich nicht (06.12.2011)
Forscher errechnen Kosten und Energieverbrauch von Air-Capture Verfahren
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Offshore-Windenergie
Kohle
Erdöl
Organische Solarzellen
Ökostrom
Solarenergie
Dossiers zum Thema
Erneuerbare Energien
Welche Zukunft haben die "Ressourcen der Zukunft"
Außer Kontrolle
Kampf gegen den Super-GAU in Japan
Der Unfall von Tschernobyl
Eine Bilanz 20 Jahre danach
Offshore-Windenergie
Sauberer Strom oder ökologisches „Eigentor“?
Solarenergie
Das Öl der Zukunft
Sonnige Aussichten mit organischen Solarzellen?
Mehr Effektivität für die flexiblen „Sonnensammler“
Geht uns der Strom aus?
Gazprom, Pipelines und die deutsche Energieversorgung
Operation Wüstenstrom
Der Streit um das Solarprojekt Desertec
Windenergie
Die Kraft des Windes und ihre Nutzung
Erdöl und Erdgas „Made in Germany“
Die Suche nach Energierohstoffen in Deutschland
Erdgas aus Schiefer
Shale Gas als Energiequelle der Zukunft?
News des Tages
Forscher rekonstruieren größten Stammbaum der Pflanzen
Atom „spielt“ Sensor
Ölkatastrophe im Golf von Mexiko geht weiter
Tschernobyl-Bäume passen sich an
Erneuerbare Energien: Greenpeace attackiert Stromriesen
Geparde genetisch fitter als gedacht
Eisfische: Artenvielfalt durch „Gefrierschutz-Protein“
Bücher zum Thema
Erneuerbare Energien
Mit neuer Energie in die Zukunft von Sven Geitmann
Öko
Al Gore, der neue Kühlschrank und ich von Peter Unfried
Tschernobyl
Nahaufnahme von Igor Kostin und Thomas Johnson
Mythen der Atomkraft
Wie uns die Energielobby hinters Licht führt von Gerd Rosenkranz
Was sind die Energien des 21. Jahrhunderts?
Der Wettlauf um die Lagerstätten von Hermann-Josef Wagner
Sonnige Aussichten
Wie Klimaschutz zum Gewinn für alle wird von Franz Alt
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Gelähmte steuert Roboterarm mit ihren Gedanken
5. Ruß und Ozonsmog verstärken die Wanderung der Klimazonen