Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
Mensch beschleunigt Evolution
Eingesetzte Fischart löst Entwicklungsschub im Malawisee aus
Es ist kein Geheimnis, dass das Leben im 21. Jahrhundert in schnellem Tempo läuft: Internet, Mobiltelefone und Glasfaserkabel haben die Geschwindigkeit der Kommunikation erhöht, machen es möglich, gleichsam in zwei Orten zugleich zu sein. Aber können Menschen auch die Rate eines der grundlegendsten und langsamsten Prozesse der Natur beschleunigen, der Evolution? Eine neue Studie deutet daraufhin, dass diese Frage bejaht werden muss. Der Mensch scheint zumindest für eine Fischart die evolutionäre Uhr vorgedreht zu haben.

Buntbarsch Cynotilapia afra
Buntbarsch Cynotilapia afra
© Georgia Institute Of Technology
Cichliden sind unter Biologen für ihre schnelle Evolutionsrate bekannt. Während viele Tiere tausende von Jahren brauchen, um eine neue Art zu bilden, haben die Buntbarsche des afrikanischen Malawisees allein innerhalb der letzten 500.000 Jahren rund tausend neue Species entwickelt – nach den Maßstäben der Evolution geradezu blitzartig.

In den 1960er Jahren könnte ein Fischexporteur unwissentlich die Bühne für eine weitere evolutionäre Evolution bereitet haben, als er Individuen der Art Cynotilapia afra am Mitande Point nahe der Insel Thumbi West aussetzte. Bis 1983 hatte sich die neue Art noch nicht von ihrer Einsatzstelle fortbewegt, doch im Jahr 2001, als der Biologe J. Todd Streelman, vom Georgia Institute of Technology mit Kollegen die Insel besuchte, bot sich ihm bereits ein anderes Bild: Innerhalb von weniger als 20 Jahren hatten sich die Fische in zwei genetisch deutlich voneinander verschiedene Varietäten entwickelt.

„Das ist ein großartiges Beispiel für eine anthropogen-induzierte Evolution in Aktion“, erklärt Streelman. „Es ist ein weiterer Eintrag zur wachsenden Liste der Fälle, bei denen die menschliche Einwirkung die Evolution beeinflusst in einem nie zuvor beobachteten Ausmaß.“

Die Fische entwickelten sich in zwei genetisch und farblich deutlich voneinander verschiedene Populationen, eine nördlich, die andere südlich der Insel. Da die Färbung für die Buntbarsche ein wichtiges Merkmal für die Partnerwahl ist, ist hier der Grundstein für eine Artspaltung gelegt.

Ob und wann dies endgültig der Fall sein wird, ist eine Frage, die Streelman jetzt beantworten möchte. „Es könnte sein das wir in weiteren 20 Jahren eine neue Art haben, obwohl dies von einer Reihe von Faktoren abhängt. IN jedem Fall haben wir hier eine wundervolle Gelegenheit, die evolutionären Wege dieser Populationen über die Zeit hinweg zu verfolgen. Wir wollen im nächsten Juli auf jeden Fall zur Insel zurückkehren um weitere Untersuchungen durchzuführen“, erklärt der Forscher.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Evolution, Buntbarsch, Biologie, Mensch, anthropogen, Speziation, Malawisee
Weitere News zum Thema
Auch Zwerggalaxien sind Kannibalen (09.02.2012)
Astronomen beobachten, wie sich ein kleines Milchstraßensystem ein noch kleineres einverleibt
Spinnen: Mehr Nachwuchs durch Selbst-Kastration (01.02.2012)
Abgebrochenes Paarungsorgan überträgt mehr Spermien
In 24 Millionen Generationen von der Maus zum Elefanten (31.01.2012)
Forscher ermitteln maximale Wachstumsrate der Evolution bei Säugetieren
Älteste Dino-Kinderstube entdeckt (25.01.2012)
190 Millionen Jahre alte Eier und Jungtiere geben einzigartigen Einblick in das Fortpflanzungsverhalten
Frösche erkennen sich am Geruch (25.01.2012)
Makrolide als flüchtige Pheromone der Tiere
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Angriff der Exoten
Tierische und pflanzliche Einwanderer auf Erfolgskurs?
Farben ohne Farbe
Die "unsichtbaren" Färbetechniken der Natur
Killerseen
Gefahr aus der Tiefe
News des Tages
Erde von Asteroidenschauer getroffen
Mensch beschleunigt Evolution
Elefantenwald wird Nationalpark
Knallgas-Bakterium als Kunststofflieferant
Schwingt das Bewusstsein im Gleichtakt?
Mikrospiegel spürt Schadstoffe auf
Katalysator auch für Dieselmotoren
Lärm verwirrt Wale
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis