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Freitag, 25.05.2012
Auch Tauben können zählen
Abstrakte Zahlenregeln sind keine Domäne der Affen und Menschen
Tauben können genauso gut zählen und abstrakte Zahlenregeln befolgen wie Affen. Die Vögel ordnen Bilder korrekt nach der Menge der jeweils dargestellten Objekte - selbst wenn sie die Formen und Objekte zum ersten Mal sehen. Das zeigt ein Versuch neuseeländischer Forscher. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Tauben die Fähigkeit besitzen, abstrakte Zahlenregeln zu lernen und anzuwenden", berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science".

Tauben mit einer Auswahl der Motive, die sie nach ihrer Menge anordnen sollten.
Tauben mit einer Auswahl der Motive, die sie nach ihrer Menge anordnen sollten.
© Damian Scarf Tauben mit einer Auswahl der Motive, die sie nach ihrer Menge anordnen sollten.
Lange Zeit galt das Zählen als rein menschliche Domäne. Tiere, so glaubte man, seien zu dieser geistigen Leistung nicht fähig. Inzwischen aber ist klar, dass zumindest Affen ebenfalls zählen können. Rhesusaffen gelingt es, Objekte in aufsteigender oder absteigender Menge zu ordnen und dabei Zahlenwerte von bis zu neun korrekt einzustufen, das zeigte eine Studie bereits im Jahr 1998.

Aufgabe: Objekte nach ihrer Menge ordnen
Damian Scarf und seine Kollegen von der University of Otago in Dunedin haben diese Studie nun erstmals mit Tauben wiederholt. Sie zeigten den Vögeln drei Bilder, auf denen eine, zwei und drei abstrakte Formen dargestellt waren. Die Tauben sollten nun die drei Bilder nach der Menge der darauf dargestellten Objekte ordnen - von der niedrigsten Anzahl zur höchsten. Diesen Trainingstest wiederholten die Wissenschaftler 35 Mal mit jeweils unterschiedlichen Motiven.

Im nächsten Test erhielten die Tauben zwei Bilder. Auf diesen waren zwischen einem und neun Objekte dargestellt - und damit auch Mengen, mit denen sie noch nicht trainiert hatten. Die Vögel sollten nun die zuvor erlernte Mengenregel anwenden und erst das Bild mit der niedrigeren Anzahl, dann das Bild mit der höheren anpicken.

Hohe Erfolgsquote
Die Tauben wählten in 70 bis 90 Prozent der Fälle die richtige Reihenfolge, wie die Forscher berichten. Das sei keinesfalls mit bloßen Zufallstreffern erklärbar. Die Vögel schnitten zudem in diesen Versuchen umso besser ab, je stärker sich die Objektmengen auf den beiden Bildern unterschieden. Dieser Effekt sei auch bei Affen und Menschen zu beobachten, sagen die Wissenschaftler.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Affen und Tauben offenbar ähnlich gut mit Zahlen umgehen können", schreiben sie. Das Zählen sei damit keine Errungenschaft allein der Primaten, sondern auch unter Vögeln vorhanden. Ihre geistigen Fähigkeiten seien jahrzehntelang unterschätzt worden.

Ererbt oder unabhängig voneinander entwickelt
Nach Ansicht der Forscher gibt es zwei mögliche Erklärungen dafür, dass sowohl Primaten als auch Vögel relativ weit entwickelte numerische Fähigkeiten besitzen. "Eine Möglichkeit wäre eine konvergente Evolution, bei der Affen und Vögel diese Fähigkeiten unabhängig voneinander entwickelten", schreiben Scarf und seine Kollegen.

Es sei aber auch möglich, dass sich das Zählen schon viel früher in der Evolution entwickelte - bei einem gemeinsamen Vorfahren von Vögeln und Affen. Dann wäre diese Fähigkeit ein gemeinsames Erbe, das potenziell auch andere Tierarten besitzen könnten. Welche der beiden Möglichkeiten zutreffe, müsse aber noch erforscht werden. (Science, 2011; doi: 10.1126/science.1213357)
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