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Montag, 13.02.2012
Rasterfahndung nach verdächtigen Proteinen
Biotech-Firma entwickelt neue Diagnose-Methode für Nervenerkrankungen
An einer neuen Methode zur Diagnostik von Alzheimer-Krankheit, Schizophrenie und anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen arbeitet jetzt eine Firma in Hannover. Das Prinzip: Krankheitstypische Molekül-Muster in der Rückenmarksflüssigkeit sollen eine Früherkennung der Nervenkrankheiten möglich machen.

Das menschliche Gehirn
Das menschliche Gehirn
© MMCD
Bei der Schizophrenie handelt es sich um eine psychische Störung, die mit Denkzerfall, Sinnestäuschungen und Verhaltensänderungen einhergeht.
Von der Alzheimer-Demenz sind eine Million überwiegend ältere Menschen betroffen - typisch für diese schleichend verlaufende Hirnerkrankung ist die irreparable Zerstörung der Nervenzellen. Eine frühe Behandlung kann die Krankheit verzögern. Weder für Schizophrenie noch für Alzheimer gibt es bisher eine zuverlässige Labordiagnostik.

Polypeptide als Marker
Jüngere Forschungsergebnisse weisen allerdings auf Veränderungen des Proteinstoffwechsels bei verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen hin. Im Nervenwasser des Rückenmarks, auch "Liquor" genannt, lassen sich diese Krankheitsmerkmale teilweise nachweisen. Dort finden sich Polypeptide - körpereigene Eiweißmoleküle oder deren Spaltprodukte - die bei Gesunden nicht vorkommen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass größere Gruppen dieser Polypeptide charakteristisch für bestimmte Krankheiten sind.

Hier setzt das Projekt der Firma Mosaiques an. Die Kopplung zweier Messmethoden, der Kapillar-Elektrophorese und der Massenspektrometrie, soll eine Identifizierung der Polypeptide aus Liquor ermöglichen. Durch den Vergleich der Patientendaten untereinander und mit Gesunden auf sogenannten Diagnostik-Landkarten wollen die Wissenschaftler charakteristische Polypeptidmuster für jede Erkrankung finden. Eine eigens entwickelte Software soll daraus Datenbanken der krankheitstypischen Merkmale erstellen. Sind die charakteristischen Polypeptide einmal erkannt, könnte das Verfahren ähnlich wie eine Rasterfahndung funktionieren: Messmethode und Computerprogramm stellen Unterschiede im Nervenwasser des Patienten zu Gesunden fest und erstellen Diagnose- sowie Therapievorschläge für den behandelnden Arzt.

Ein vergleichbares Verfahren soll später auch zur Untersuchung von Blutproben entwickelt werden. "Durch die Einführung unserer Messmethode wird es zukünftig möglich sein, eine große Zahl von neuropsychiatrischen Erkrankungen nachzuweisen und ein präzises Diagnostikverfahren zu etablieren", prophezeit Professor Harald Mischak, Geschäftsführer bei Mosaiques.
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