Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
Handystrahlung: Risiko unklar
Teilergebnis weltweit größter WHO-Studie zeigt weiteren Forschungsbedarf
Wie gefährlich ist die von Handys und ihren Funkanlagen ausgesendete Strahlung? Diese Frage will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mithilfe der im Oktober 2000 gestarteten, weltweit größten Untersuchung zu diesem Thema beantworten. Teams aus 13 Ländern erforschen im Rahmen der Interphone-Studie den Zusammenhang zwischen Handynutzung und dem Risiko von Hirntumorerkrankungen. Jetzt hat ein schwedisches Wissenschaftlerteam ein zweites Teilergebnis der Abrbeiten veröffentlicht.

Handy
Handy
© S. Golembski
Die Forscher um Prof. Maria Feychting kamen zu dem Ergebnis, dass bei der weniger als zehn Jahre langen Nutzung von Mobiltelefonen kein Risiko besteht, an einem gutartigen Hörnervtumor (Akustikusneurinom) zu erkranken. Die Untersuchung des Institute of Environmental Medicine (IMM) am Karolinska Institut in Stockholm basiert auf der Auswertung von Daten zu rund 150 Akustikusneurinom-Patienten und rund 600 Vergleichspersonen.

Ein geringfügiges Risiko stellten die Forscher lediglich bei Personen fest, die Handys mehr als zehn Jahre nutzten und somit die damals in Skandinavien übliche analoge NMT-Technologie verwendeten. Eine Übertragung des Forschungsergebnisses auf die heutige digitale GSM-Technik ist jedoch laut Feychting nicht möglich.

Risiko dennoch weiter unklar
Die Veröffentlichung dieses zweiten Zwischenergebnisses lässt allerdings noch keine Rückschlüsse auf das Gesamtergebnis der Studie zu. Erst Anfang des Jahres stellte die Interphone-Forschergruppe aus Dänemark keinen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonie und dem
Auftreten eines Akustikusneurinom fest. Mit weiteren Aussagen ist zu rechnen, wenn auch andere Länder ihre Zwischenergebnisse vorstellen.

Wissenschaftler der Johannes Gutenberg Universität in Mainz weisen darauf hin, dass die hinter der Studie liegenden Fallzahlen vergleichsweise klein sind. Auch umfassten die beiden skandinavischen Teilstudien erst einen Anteil von etwa 20 Prozent der erwarteten Akustikusneurinompatienten der gesamten Interphone-Studie. Deshalb sei eine abschließende Bewertung erst mit der Veröffentlichung der vollständigen internationalen Auswertung möglich, so die Mainzer Wissenschaftler.

Die so genannte Interphone-Studie wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) koordiniert. Sie wird nach einem gemeinsam verfassten Studienprotokoll auf gleiche Weise in 13 Ländern durchgeführt. Neben Deutschland sind die skandinavischen Länder, Großbritannien, Frankreich, Italien, Israel, Australien, Neuseeland, Japan und Kanada beteiligt.

Aktuelle Forschungsberichte aus Schweden und England kommen zu dem Ergebnis, dass nach heutigem Forschungsstand von elektromagnetischen
Feldern, die unterhalb der bestehenden Grenzwerte liegen, keine Gesundheitsgefahr ausgeht. Trotz allem besteht nach Ansicht der Wissenschaftler weiterer Forschungsbedarf.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Handy, Mobilfunk, Elektrosmog, elektromagnetische STrahlung, Medizin, Krebsrisiko, elektromagnetische Felder
Weitere News zum Thema
Nano-Antenne ermöglicht Terahertz-Scanner im Handyformat (24.01.2012)
Nanotechnologie und Nanofabrikation sorgen für Durchbruch bei der Erzeugung von Terahertzstrahlen
Solarhelm liefert Strom beim Skifahren (24.01.2012)
Forschern gelingt Anpassung von dreidimensionalen Solarmodulen an die gekrümmte Fläche
Forscher machen CMOS-Bildsensoren schneller (03.01.2012)
Neues Bauteil ermöglicht schnelleres Auslesen der Bildinformationen
Forscher konstruieren kleinsten Elektromotor der Welt (05.09.2011)
Neuer Nanorotor besteht aus nur einem Molekül
Schuhsohle könnte Strom fürs Handy liefern (24.08.2011)
Neue Technologie wandelt mechanische Energie effektiv in Elektrizität um
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Elektrosmog
Handys - Gefahr am Ohr?
News des Tages
Kannenpflanze: Insektenfang per Aquaplaning
St.Helens: Drohende Explosion oder nur sanftes Rauchen?
Handystrahlung: Risiko unklar
Hepatitis C erhöht Lymphdrüsenkrebs-Risiko
Mutiertes Gen hinterlässt „gebrochene Herzen“
Sonnenofen produziert Wasserstoff
Bundesrat nickt Dosenpfand ab
„Hintergrundrauschen“ schuld an Schizophrenie
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis