Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
Gesichtserkennung auf dem Prüfstand
Erste biometrische Ausweise schon im November
Der elektronische Reisepass kommt. Von November an werden neue Reisedokumente mit biometrischen Daten wie zum Beispiel Informationen über die Gesichtsform versehen. Fraunhofer-Forscher untersuchen, wie leistungsfähig die Gesichtserkennung ist. Auf der CeBIT stellen sie ihre Ergebnisse vor.

Messpunkte im Gesicht
Messpunkte im Gesicht
© Fraunhofer Gesellschaft
"Ihre Papiere bitte und dann freundlich in die Kamera lächeln!" - so könnte es schon bald an der Grenze heißen. Denn künftig sind auf einem Chip im Reisepass auch Daten über die Gesichtsform, die Augeniris oder Fingerabdrücke des Besitzers gespeichert. Per Funk werden die Daten an einen Computer übertragen. Stimmen die Informationen überein, kann man die Grenze problemlos passieren. Das soll die Passkontrolle schneller und sicherer machen. In Deutschland werden von November an die ersten Reisepässe mit biometrischen Daten ausgegeben. Der Grund für die schnelle Einführung: EU-Bürger dürfen nur noch dann ohne Visum in die Vereinigten Staaten einreisen, wenn sie einen Pass mit biometrischen Daten vorzeigen können.

"In den neuen Reisepässen sind zunächst zweidimensionale digitale Gesichtsbilder enthalten", erläutert Dr. Christoph Busch, Leiter der Abteilung Sicherheitstechnologie für Graphik und Kommunikationssysteme am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt. Damit soll der erste Einstieg in biometrische Pässe erfolgen. Neben dem Foto sind verschlüsselt auch Informationen zur Gesichtsform gespeichert. Später sollen auch Fingerabdrücke verschlüsselt hinterlegt werden.

Doch wie leistungsfähig ist die 2-D-Gesichtserkennung? Dieser Frage sind Forscher des IGD im Auftrag des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nachgegangen. In der Studie "Untersuchungen der Eigenschaften von Gesichtserkennungssystemen - BioFace" haben die Wissenschaftler unterschiedliche Verfahren und Erkennungsalgorithmen getestet. Darüber hinaus wurde untersucht, ob zum Beispiel Hüte, Mimik, Kopfhaltung oder einfallendes Licht die Erkennungsleistung beeinträchtigen. Das Ergebnis: Starker Lichteinfall, eine Drehung oder Neigung des Kopfs erschweren die richtige Identifizierung.

"Mehr Sicherheit könnte die 3-D-Gesichtserkennung bieten", erläutert Busch. Der Vorteil: Die erfassten Modelle sind immer metrisch korrekt.
Die Grundmaße des Kopfs wie etwa der Augenabstand oder die Länge der Nase bleiben gleich - egal welchen Abstand die fotografierte Person zur Kamera hat. Um ein Gesicht in 3-D zu erfassen, wird zum Beispiel ein farbiges Streifenmuster auf den Kopf projiziert. Stirn, Ohren, Nase oder Kinn verformen die Farbstreifen und erzeugen für jeden Menschen ein anderes charakteristisches Muster. Aus diesen Daten berechnet der Computer die Gesichtsform. Die 3-D-Gesichtserkennung arbeitet weitgehend unabhängig von Störfaktoren wie Beleuchtung und Kopfhaltung. Das macht das Verfahren sicherer und robuster als die 2-D-Gesichtserkennung. Derzeit untersuchen die Forscher des IGD verschiedene 3-D-Systeme auf ihre Leistungsfähigkeit.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
TEchnik, Biometrie, GEsichtserkennung, Reisepass, Informatik, Passkontrolle, USA, Chip
Weitere News zum Thema
Schmetterling liefert Vorbild für Infrarotsensor (13.02.2012)
Nanoschuppen reagieren auf Wärme mit Farbveränderung
Pilz produziert Medikamente aus Krabbenschalen (13.02.2012)
Gentechnisch veränderter Schimmelpilz nutzt Chitin als Rohmaterial
Roboter kundschaftet gefährliches Terrain aus (06.02.2012)
Hightech-Geselle erforscht und kartiert unbekanntes Gelände
Erster Nano-Blick in das lebende Gehirn (03.02.2012)
Spezialmikroskop macht winzigste Veränderungen von Gehirnzellen sichtbar
Gehörte Wörter aus Gehirnwellen rekonstruiert (01.02.2012)
Neue Methode könnte Stummen ihre Sprache wiedergeben
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Künstliche Intelligenz
Wenn Maschinen zu denken beginnen...
Simulierte Welten
Modelle der Natur im Computer
News des Tages
Gamma-Blitz trifft Erde
Sprachen-Rätsel entschlüsselt
Einstein für zu Hause
Allergien: Luftschadstoffe als Auslöser
Mikroskop hilft beim Aufspüren von Biowaffen
Gesichtserkennung auf dem Prüfstand
U-Boot-Überwachungssystem belauscht Wale
Brennstoffzellenhybrid-Auto besteht Testfahrt
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis