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Montag, 13.02.2012
Hohes Tsunami-Risiko in der Nordkaribik
35 Millionen Menschen könnten betroffen sein
Ein hohes Tsunami-Risiko haben Wissenschaftler jetzt der nördlichen Karibik bescheinigt. Die Analyse von historischen Aufzeichnungen seit der Ankunft des Kolumbus belegt, dass hier gleich mehrere Naturereignisse als Auslöser für die zerstörerischen Fluten in Frage kommen. Die Auswirkungen bekämen vor allem die Ost- und Golfküste der USA und die Antillen zu spüren.

Tsunami
Tsunami
© NOAA
Nancy Grindlay und Meghan Hearne von der Universität von North Carolina in Wilmington und Paul Mann von der Universität von Texas in Austin haben einen der potenziellen Hauptauslöser für die historischen Tsunamis in der Karibikregion untersucht: Die Bewegung der tektonischen Platten entlang der Grenze zwischen der Nordamerikanischen und der Karibischen Platte.

Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe von Eos, dem Magazin der Amerikanischen Geophysikalischen Union berichten, gibt es Zeugnisse für mindestens zehn starke Tsunamis in der nördlichen Karibik seit dem Jahr 1492, sechs davon forderten Menschenleben. Alle wurden durch die Bewegung der Erdkruste entlang der Plattengrenze ausgelöst, die entlang der Nordküste der Insel Hispaniola vorbeiführt und sich 3.200 Kilometer weit von Mittelamerika bis zu den kleinen Antillen erstreckt.

So zerstörten Tsunamis die Stadt Port Royal auf Jamaika im Jahr 1692, 1780 starben mindestens zehn Menschen an der Südküste der Insel und 1842 verwüstete eine Flut die Nordküsten von Hispaniola und den Jungferninseln. Der letzte Tsunami ereignete sich 1946 und forderte rund 1.800 Menschenleben. Sie war die Folge eines Erdbebens der Stärke 8,1 in der Dominikanischen Republik.

Die Wissenschaftler schätzen, dass heute, durch die dichtere Besiedlung besonders der Küstenregionen deutlich mehr Todesopfer zu befürchten wären. Wenn ein weiterer starker Tsunami die Küsten der Nordkaribik treffen würde, wären rund 35,5 Millionen Menschen potenziell betroffen.

Neben Erdbeben kommen auch andere Auslöser für einen solchen Tsunami in Frage, wie schon zuvor andere Wissenschaftler in eigenen Studien festgestellt hatten. Sie schätzen insbesondere das Risiko einer Flut durch unterseeische Erdrutsche als sehr groß ein. Grindlay und ihre Kollegen planen daher, noch in diesem Monat Grundwasserquellen an unterseeischen Erdrutschgebieten vor Puerto Rico zu untersuchen. Die an solchen Stellen entstehenden Strömungen könnten weitere Rutschungen nach sich ziehen.

„Die Tsunamikatastrophe im Indischen Ozean hat die öffentliche Aufmerksamkeit für das Tsunamirisiko und auch den Bedarf an Tsunami-Frühwarnsystemen in Hochrisikogebieten wie der Nordkaribik geweckt“, erklärt Grindlay. „Ein Vorschlag für ein Intra-amerikanisches Tsunami-Warn-Projekt ist bereits von der Zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission angenommen worden und die ersten Vorbereitungstreffen für die Umsetzung sind für diesen Frühling und Sommer geplant.“
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