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Freitag, 25.05.2012
Ölförderung bedroht Nordsee
Greenpeace: 14.000 Tonnen Öl fließen jährlich von Plattformen ins Meer
Ölplattformen dürfen nach der erfolgreichen Brent Spar-Kampagne von Greenpeace im Jahr 1995 nicht im Nordost-Atlantik versenkt werden, aber ihr Betrieb ist noch immer eine große Belastung für das Meer. Von etwa 500 Plattformen fließen jährlich 14.000 Tonnen Öl in die Nordsee - das entspricht einem Tankerunfall pro Jahr. Diese Bilanz hat die Umweltschutzorganisation jetzt zehn Jahre nach den Aktionen gegen die Versenkung der Brent Spar vorgelegt.

Am 30. April 1995 besetzte Greenpeace die ausgemusterte Ölverladeplattform in der Nordsee zum ersten Mal. Der Konzern Shell wollte den 15.000 Tonnen schweren Stahlkoloss als erste Plattform in den Nordost-Atlantik schleppen und versenken. Nach 52 Tagen heftiger Auseinandersetzungen, einer ungeahnten Protestwelle von Verbrauchern und breiter politischer Unterstützung gab Shell am 20. Juni auf. Die Brent Spar wurde zerlegt und für eine neue Kaianlage bei Mekjarvik/ Norwegen genutzt. 1998 konnte Greenpeace schließlich ein generelles Versenkungsverbot von Plattformen im Nordost-Atlantik und der Nordsee durchsetzen.

"Damit ist das Meer noch nicht gerettet. Wir dürfen uns von dem großen Erfolg der Brent-Spar-Kampagne nicht blenden lassen", sagte Greenpeace-Ölexperte Christian Bussau. "Die alltägliche Verschmutzung durch die Ölförderung im Meer und die Ausbeutung weiterer unberührter Gebiete zeigt, dass die Ölindustrie auch nach Brent Spar nicht verstanden hat, wie sehr sie sich ändern muss." Greenpeace fordert großflächige Schutzgebiete, in denen die Ölförderung untersagt ist,
damit das Meer sich erholen kann.

Das Versenkungsverbot für Plattformen war ein großer Schritt zum Schutz der Meere. Die damals von der Ölindustrie vorgebrachten Bedenken zählen nicht mehr: Heute kann die Entsorgungsindustrie selbst schwere Konstruktionen an Land verschrotten. Demnächst wird die schwere BP-Plattform North-West-Hutton mit einem Gewicht von 37.000 Tonnen abgewrackt. Der eigentliche Boom beginnt 2010, wenn jährlich 20 Plattformen an Land gezogen werden.

Die alltägliche Verschmutzung der Nordsee hat dagegen nach Angaben von zugenommen. 2002 leiteten die Plattformen nach Angaben der zuständigen Ospar-Kommission täglich 1,3 Millionen Kubikmeter ölhaltiges Produktionswasser ein. "Unsere aktuellen Luftbilder zeigen riesige Ölteppiche, die von den Plattformen ausgehen", erklärt Bussau. Bei vier von 17 überprüften Plattformen im Brent-Feld vor Großbritannien hat Greenpeace erhebliche Öleinleitungen dokumentiert.

Nun will die Ölindustrie nach Informationen der Umweltschutzorganisation noch in neue, unberührte Gebiete vordringen. Inzwischen gerät die ökologisch wertvolle Inselregion der Lofoten vor Norwegen ins Visier. Bedroht sind Seeadler, Kormorane und Papageientaucher, die auf den Fischreichtum angewiesen sind.
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