Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 25.05.2012
Meer durch "Blinde Passagiere" bedroht
WWF fordert international strenge Regulierung von Ballastwasser
Sie sind für das bloße Auge oft kaum sichtbar, machen aber einen der größten Bedrohungsfaktoren für das Ökosystem Meer aus, wie die Umweltschutzorganisation WWF heute mitteilt: Invasive Arten, aus fremden Ozeanen über das Ballastwasser der Schiffe beispielsweise in die Nordsee eingeschleppt, verdrängen heimische Meeresbewohner und bringen damit die gesamte Nahrungskette aus dem Lot.

Eingeschleppt: Giftige Alge Chatonella
Eingeschleppt: Giftige Alge Chatonella
© WWF
So beispielsweise verschiedene giftige Algenarten. Diese "Einbürgerungen" haben zum Teil gravierende gesundheitlichen Folgen für Verbraucher und finanziellen Konsequenzen für die Fischerei. "Wir spielen eine Art Russisches Roulette mit jedem unkontrollierten Ablassen von Ballastwasser in fremden Meeresgebieten. Die in Norwegen verendeten 1.000 Tonnen Lachs nach der Einwanderung der giftigen Alge Chatonella sind ein Warnschuss, der uns sensibilisieren sollte für das ungleich folgenschwerere Desaster, das jeden Tag aus den Ballastwassertanks der Schiffe auf uns zukommen kann," warnt WWF-Meeresexperte Stephan Lutter.

Anlässlich der bevorstehenden Konferenz der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) in London ruft die Umweltstiftung WWF daher zu einer starken internationalen Konvention auf, die verbindliche Regeln für die Behandlung von Ballastwasser aller Schiffe festschreibt. In der Zwischenzeit sollten nationale und regionale Vorschriften schnellstmöglich die bestehende Lücke schließen. Außerdem fordert WWF die IMO auf, Anreize für die Erforschung innovativer Technologien der Ballastwasserbehandlung zu schaffen und die vorgeschriebenen Standards ständig an den technologischen Fortschritt anzupassen.

Bestehende Techniken, die unter anderem auf Filtern und UV-Strahlung beruhen, sind bereits bei Schiffen mit kleinerem Ballastwasservolumen, wie z.B. Kreuzfahrtschiffen, im Einsatz. Für große Containerschiffe sind sie aufgrund der riesigen Mengen benötigten Ballastwassers ungeeignet. Deren Kapitäne können derzeit das Risiko minimieren, indem sie das Wasser auf hoher See statt im Hafen austauschen. Denn dort draußen leben zumeist weniger Organismen als in Küstennähe und die dort "entlassenen" Meerestiere aus küstennahen Gewässern werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überleben.

Dennoch bleibt ein Restrisiko bestehen, denn es ist beispielsweise unmöglich, 100 Prozent des ursprünglichen Wassers und Sediments aus der Küstenzone während dieses Austauschs auszuspülen. Trotz dieser Einschränkung ist die Methode weitaus besser als die gängige Praxis, Ballastwasser unbehandelt im Hafen in das Meer zu entlassen. So unterschiedliche Länder wie Neuseeland und Chile schreiben daher bereits den Wasseraustausch auf hoher See vor.

Rund zehn Milliarden Tonnen Ballastwasser sorgen jährlich auf den Schiffen für eine stabile Lage. Wenn ein Schiff Ballastwasser aus dem Meer aufnimmt, sind darin winzige Organismen wie Plankton, wirbellose Tiere, Fischlarven und Krankheitserreger enthalten. Mehr als 4.000 verschiedene Arten sind zu jedem Zeitpunkt im Ballastwasser unterwegs. Regelmäßig fassen einige dieser Spezies in der neuen Umgebung Fuß und ihre Wirkung ist ebenso unvorhersehbar wie unkontrollierbar.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Weitere News zum Thema
Sensor im Kinn hilft Blauwalen beim Beutefang (24.05.2012)
Neu entdecktes Sinnesorgan steuert Mauldehnung beim Wasserfiltern
Erstes Landwirbeltier robbte wie ein Seehund (24.05.2012)
Hüfte von Urzeit-Vierbeiner Ichthyostega war zu unbeweglich für echten Gang
Schmerzen verändern den Blick (24.05.2012)
Wahrnehmung von Bewegungen anderer verändert sich durch das Schmerzgedächtnis
Licht lässt Partikel wachsen (24.05.2012)
Forscher entdecken neuen Mechanismus photokatalytischer Reaktionen
CSI-Methoden können Herkunft von gefangenem Fisch klären (23.05.2012)
Neuartige Gentests helfen, der illegalen Fischerei einen Riegel vorzuschieben
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
News des Tages
Die vielleicht feinsten Linien der Welt...
Europa zieht Kohlenstoffbilanz
Nanopulse gegen Krebs?
Rosetta: Kometenlandegerät getauft
Meer durch "Blinde Passagiere" bedroht
Dschungel als Lieferant für Medikamente
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Mensch trägt direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei
5. Straßenlaternen verändern Tierwelt des Bodens