Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 02.09.2010
Schwarzmarkt für Menschaffen boomt
WWF: Orang-Utan-Baby sollte 40.000 Euro kosten
Der Schwarzmarkthandel gefährdet offenbar das Überleben der einzigen Menschenaffen Asiens. In einer Zoohandlung der saudi-arabischen Hauptstadt Riad haben Mitarbeiter der Naturschutzbehörde einen aus Indonesien eingeschmuggelten jungen Orang-Utan entdeckt, der für umgerechnet rund 40.000 Euro illegal zum Verkauf angeboten wurde. Orang-Utans sind vom Aussterben bedroht, der internationale kommerzielle Handel mit ihnen ist seit 1975 streng verboten.

Orang-Utan
Orang-Utan
© IMSI Masterclips
„Dass ein solches Angebot an die Öffentlichkeit gelangt, ist die absolute Ausnahme“, sagt WWF-Artenschutzexperte Stefan Ziegler. „Außerhalb Indonesiens gelingt es nur selten, die Wege der Arten-Schmuggler zu verfolgen.“ Der Fund zeige aber, dass es auch heute noch einen Schwarzmarkt für Menschenaffen gibt.

Orang-Utans sind die einzigen großen Menschenaffen Asiens. Ursprünglich auf dem Kontinent weit verbreitet, kommen sie heute nur noch auf den Inseln Borneo und Sumatra vor. Hier haben sich die Bestände seit den 1990er Jahren von 180.000 auf 62.000 reduziert. Wenn es nicht gelingt diese Entwicklung zu stoppen, werden die Orang-Utans bis zum Jahr 2020 praktisch ausgestorben sein, befürchtet der WWF.

Illegaler Handel eine der Hauptbedrohungen
Neben dem Verlust ihres Lebensraums ist der illegale Handel eine Hauptbedrohung für die Orang-Utans. Allein im indonesischen Teil der Insel Borneo landen jedes Jahr bis zu 1.100 Orang-Utans in den Händen skrupelloser Artenhändler, so das Ergebnis einer aktuellen Studie von TRAFFIC, dem gemeinsame Artenschutzprogramm des WWF und der Weltnaturschutzunion IUCN.

„Viele Orang-Utan-Populationen auf Borneo sind klein und voneinander isoliert. Auf den Verlust einzelner Tiere reagieren die Gruppen oft sehr empfindlich“, erläutert WWF-Experte Stefan Ziegler. Der WWF hat daher die Kampagne „Rettet den Orang-Utan-Wald“ zum Schutz der letzten Orang-Utans und ihres Lebensraums gestartet. Ein Ziel des WWF ist die Errichtung eines der größten Schutzgebiets-Netzwerke der Welt. Das „Herz von Borneo“ soll einmal 220.000 Quadratkilometer – fast ein Drittel der Insel – vor der Zerstörung retten. Neben den Orang-Utans würde so auch das Überleben anderer gefährdeter Arten wie Elefanten, Nasenaffen und Gibbons gesichert.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Orang-Utan, Biodiversität, Artenvielfalt, Asien, TRAFFIC, Aussterben
Weitere News zum Thema
Orang-Utans sind „Couchpotatoes” (04.08.2010)
Menschenaffen entpuppen sich als energieeffizienteste Säugetiere
Klimawandel verstärkt Bedrohung für Menschenaffen (26.07.2010)
Bis zu 75 Prozent Lebensraum-Verlust allein durch Klimawirkungen
Orang-Utans kommunizieren mit Gesten (18.06.2010)
Wissenschaftler erstellen Lexikon für Affen-Gesten und deren Bedeutung
Deutsche Autofahrer tanken Urwälder (05.05.2010)
Greenpeace Tests: Teil des Diesels stammt aus Urwaldzerstörung
Schimpansen erkennen Fehlentscheidungen (14.04.2010)
Studie: Auch Menschenaffen haben metakognitive Fähigkeiten
Suche
Erweiterte Suche
Special
Überschwemmungen in Pakistan
DOSSIER: Monsun - Lebensbringer und Zerstörer
DOSSIER: Land unter - Vernichtende Fluten auf dem Vormarsch?
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Menschenaffen
Die Letzten ihrer Art?
Die grüne Wüste
Der tropische Regenwald - auf Sand gebaut
Moby Dick, Flipper & Co
Säugetiere des Meeres
Lebende Fossilien
Überlebenskünstler oder Auslaufmodelle der Evolution?
Der Streit um den Neandertaler
Anmerkungen zur Evolution des Menschen
Wie klug sind Tiere?
Zwischen Instinkt und Intelligenz
News des Tages
Globale Erwärmung gefährdet kleinsten Schmetterling der Welt
Rätsel um Entstehung von Saturnring gelöst
Körperbewusstsein entsteht rechts im Gehirn
EU: Mehr Geld für den Katastrophenschutz in Zentralasien
Schwarzmarkt für Menschaffen boomt
Rachenbakterien lösen auch Gelenkentzündungen aus
Klimaschutz: Erdgasautos auf der Überholspur
Bücher zum Thema
Die Letzten ihrer Art
Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde von Douglas Adams und Mark Carwardine
Unsere nächsten Verwandten
Von Schimpansen lernen, was es heißt, Mensch zu sein von Roger Fouts und Stephen Tukel Mills Mit einem Vorwort von Jane Goodall
Der dritte Schimpanse
Evolution und Zukunft des Menschen von Jared Diamond
Wilde Intelligenz
Was Tiere wirklich denken von Marc D. Hauser
Top-Clicks der Woche
1. 3D-Fernsehen ohne Brille
2. Dinofund: „Untersetzter Drache” jagte mit tödlicher Doppelklaue
3. Nie wieder eiskratzen?
4. Sommer 2010: Wetterextreme ohne Ende
5. Auch der Steinzeitmensch feierte schon Feste