Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
Amazonas drückt Südamerika in die Tiefe
Wassermassen in der Überflutungszeit senken Kontinent ab
Jedes Jahr überschwemmt der Amazonas große Teile seiner Umgebung. Diese Flut bringt jedoch nicht nur Wasser, sie drückt auch den gesamten Kontinent Südamerika zeitweilig um mehrere Zentimeter in die Tiefe. Das hat eine neue Studie amerikanischer Geophysiker ergeben. Dieses jährliche Absinken und wieder Ansteigen ist das stärkste, das jemals auf der Erde gemessen wurde.

Computermodell des Amazonasbeckens
Computermodell des Amazonasbeckens
© Ohio State University
Die jetzt in der Zeitschrift Geophysical Research Letters veröffentlichte Studie begann im Jahr 2004, als ein von Michael Beavis, inzwischen Professor für Geodäsie an der Ohio State Universität, nahe eines Sees in den Anden platzierter GPS-Sensor eine Auf- und Abbewegung registrierte. Beavis schloss daraus, dass der sich verändernde Wasserspiegel im See diese Untergrundbewegung ausgelöst haben musste.

Durch diese Zufallsmessung aufmerksam geworden, suchte der Forscher nach ähnlichen Aufzeichnungen auch anderer GPS-Messstationen in Südamerika – und wurde fündig. Auch andere Wissenschaftler hatten bereits solche kleinen Bodenbewegungen registriert und postulierten, dass – sollte der Zusammenhang zum Wasserkreislauf stimmen – der Untergrund unter dem größten Flusseinzugsgebiet der Erde, dem Amazonasbecken, wahrscheinlich Hebungs- und Senkungsbewegungen von rund zwei Zentimetern zeigen müsste.

Beavis analysierte daraufhin gemeinsam mit seinem Kollegen Douglas Alsdorf die GPS-Daten einer Messstation im brasilianischen Manaus – nahe dem Zentrum des Flussbeckens und entdeckte eine Schwankung nicht nur um zwei sondern sogar um sechs Zentimeter. Die Forscher ließen die Daten durch ein einfaches Computermodell des Wasserflusses durch das Amazonasbecken laufen, um nach einer Korrelation zu suchen. Die Auswertungen ergaben, dass das Grundgestein unter Manaus sich zwischen 1995 und 2003 sich im Gleichtakt mit den steigenden und fallenden Fluten des Amazonas bewegte. Im Durchschnitt lag der Höhenunterschied bei sechs Zentimetern.

Noch beruhen diese Ergebnisse nur auf den Ergebnissen einer einzigen Messstation und einem sehr vereinfachten Modell, wie der Forscher betont. Und auch die Zusammensetzung des Untergrunds unter dem Becken ist bisher noch kaum bekannt. Doch trotz dieser Unsicherheiten ist das Ausmaß der Untergrundbewegungen immerhin das stärkste bisher gemessene weltweit. Zudem ist diese Studie die erste, die einen Zusammenhang zwischen den Bewegungen einer Landmasse und den Wasserbewegungen aufgezeigt hat.

Als nächste Schritte wollen Beavis und seine Kollegen mehr GPS-Stationen rund um Manaus und im Rest des Amazonasbeckens einrichten, um zu sehen, ob sich die Senkungsstärke mit der Lage verändert. Nach Ansicht des Forschers könnten ähnliche Effekte auch in anderen großen Flussgebieten wie beispielsweise dem Kongo auftreten.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Südamerika, Fluss, Flut, Bodenbewegungen, GPS
Weitere News zum Thema
La Nina förderte Influenza-Pandemien (17.01.2012)
Vier größte Grippewellen entstanden nach besonders starken Wetteranomalien
Warum zerbrach Gondwana? (13.01.2012)
Geophysiker starten Expedition zur einsamsten Insel der Welt
Milder Winter begünstigt tierische Invasoren (06.01.2012)
Asiatische Tigermücke könnte sich nach Norden ausbreiten
Einzigartige Lebenswelt an antarktischen Tiefsee-Quellen entdeckt (04.01.2012)
Forscher finden nie zuvor gesehene Tierarten an unterseeischen Schloten
Malaria kam mit dem Sklavenhandel nach Südamerika (28.12.2011)
Erreger gelangte über zwei Routen in portugiesische und spanische Kolonien
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Die grüne Wüste
Der tropische Regenwald - auf Sand gebaut
100 Jahre Plattentektonik
Alfred Wegener und seine Theorie
Forschen am "System Erde"
Die Geowissenschaften im Wandel
Gebirgsbildung
Wenn Berge in den Himmel wachsen
Die vereinigten Platten von Europa
Der Tektonik unseres Kontinents auf der Spur
"Land unter"
Vernichtende Fluten auf dem Vormarsch?
News des Tages
Nobelpreis für deutschen Physiker
Amazonas drückt Südamerika in die Tiefe
Deutsche Kraftwerke Europas „Top-Klimakiller“
Keine Chance für Giftzwerge?
Marsstein heißt „Wiedervereinigung“
Pflanzen: Rotlicht zeigt Virenbefall
Qualitätskontrolle auch in der Zelle
CO2 in den Untergrund?
Bücher zum Thema
Physische Geographie kompakt
von Jürgen Bauer, Wolfgang Englert & Uwe Meier
Plattentektonik
Kontinent- verschiebung und Gebirgsbildung von Wolfgang Frisch und Martin Meschede
Allgemeine Geologie
Eine Einführung in das System Erde von Frank Press und Raymond Siever
Der bewegte Planet
Eine geologische Reise um die Erde von Richard Fortey
Regenwald
von Sara Oldfield
Landschafts formen
Unsere Erde im Wandel von Harald Frater
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis