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Freitag, 25.05.2012
Deutscher „Nobelpreis“ vergeben
Elf Wissenschaftler erhalten Leibniz-Preis 2006
Eine Wissenschaftlerin und zehn Wissenschaftler bekommen dieses Mal Deutschlands höchstdotierten Forschungspreis, den Leibniz-Preis 2006. Dies teilte jetzt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit. Die Preisträger erhalten eine Fördersumme von bis zu 1,55 Millionen Euro und können diese Mittel in einem Zeitraum von fünf Jahren flexibel für ihre Forschungsarbeiten einsetzen.

Forschung im Reagenzglas
Forschung im Reagenzglas
© USDA
Die feierliche Verleihung der Leibniz-Preise 2006 durch den Präsidenten der DFG, Professor Ernst-Ludwig Winnacker, findet am 8. Februar 2006 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin statt.

Aus 148 Vorschlägen wurden für das Jahr 2006 unter anderem folgende Forscher als Leibniz-Preisträger ausgewählt:

Prof. Dr. Klaus Mezger (47), Geochemie, Universität Münster (1,55 Mio. Euro)
Klaus Mezger und seine Arbeitsgruppe haben Methoden entwickelt, mit denen sich das Alter von Gesteinen und damit der Erde und anderer Planeten wesentlich genauer bestimmen lässt, als dies bisher möglich war. Mithilfe der Isotopengeochemie und hochpräziser Messungen konnte Mezger erstmals zeigen, dass sich die Kerne der Erde und des Mars innerhalb von 30 Millionen Jahren nach der Entstehung des Sonnensystems bildeten. Die in Mezgers Institut entwickelten Methoden erreichen weltweit mit die höchste Präzision und finden Anwendung in einer Vielzahl grundlegender, aktueller Fragen zur Entwicklung der Erde und anderer Himmelskörper.

Prof. Dr. Marino Zerial (47), Zellbiologie, Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden (1,55 Mio. Euro)
Marino Zerial gehört zu den international führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der molekularen Zellbiologie. Im Zentrum seines Forschungsinteresses stehen die molekularen Mechanismen bei Transportvorgängen in Zellen. Er hat mit seinen Arbeiten nicht nur einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis grundlegender zellulärer Prozesse geliefert, sondern auch einen Schlüssel zu Einsichten in verschiedenste Krankheiten, die von Virusinfektionen bis degenerativen Erkrankungen des Nervensystems reichen.

Prof. Dr. Matthias Beller (43), Homogene Katalyse, Leibniz-Institut für Organische Katalyse an der Universität Rostock e.V. (775.000 Euro) und Prof. Dr. Peter Wasserscheid (35), Chemische Verfahrenstechnik, Universität Erlangen-Nürnberg (775.000 Euro)
Der Chemiker Matthias Beller beschäftigt sich mit einer der Schlüsseltechnologien des neuen Jahrtausends: der Katalyse. Dabei sucht er nach neuen Wegen für die Herstellung von verschiedensten chemischen Substanzen, wie etwa Wirkstoffe für Arzneimittel, Zusatzstoffe für Farben und Lebensmittelzwischenprodukte. Ziel seiner Forschungsarbeiten ist die Entwicklung von Katalyseverfahren, die ohne umweltbelastende Abfallprodukte auskommen und gleichzeitig kostengünstig sind. Dabei setzt er unter anderem auf die Verwendung von natürlich vorhandenen Stoffen wie Luft und Sauerstoff. Bellers Arbeiten sind vor allem für die chemische Industrie von großer Bedeutung.

Peter Wasserscheid gilt als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Erforschung und Entwicklung ionischer Flüssigkeiten. Wie herkömmliche Salze leiten ionische Flüssigkeiten elektrischen Strom, liegen aber bereits bei Zimmertemperatur in flüssiger Form vor. Sie werden in chemischen Prozessen als Reaktionsmedien eingesetzt und gelten als besonders umweltfreundlich. Wasserscheid ist es unter anderem gelungen, halogenfreie ionische Flüssigkeiten zu entwickeln, bei denen es erheblich weniger ökologische und arbeitsmedizinische Bedenken gibt als bei halogenhaltigen Systemen. Durch die Gründung der Firma Solvent Innovation GmbH hat Wasserscheid ionische Flüssigkeiten kommerziell verfügbar gemacht. Die von ihm entwickelten Systeme werden schon heute in großindustriellen Verfahren genutzt.

Prof. Dr. Patrick Cramer (36), Strukturbiologie, Ludwig-Maximilians-Universität München (1,55 Mio. Euro)
Patrick Cramer gelang ein wissenschaftlicher Durchbruch mit der Entschlüsselung der dreidimensionalen Struktur der RNA-Polymerase II, eines der größten Enzyme im Zellkern. Dieses Enzym spielt eine zentrale Rolle beim Prozess der so genannten Transkription, also der Übersetzung genetischer Informationen in Boten-RNA, der Bauanleitung für Proteine. Cramers Daten sind weltweit richtungweisend für Studien in diesem Forschungsfeld. Die Arbeiten des Strukturbiologen zielen langfristig darauf ab, die gesamte für die Biologie einer Zelle grundlegende Regulation der Transkription aufzuklären.

Prof. Dr. Peter Jonas (44), Neurophysiologie, Universität Freiburg im Breisgau (1,55 Mio. Euro)
Peter Jonas beschäftigt sich mit den Mechanismen der Kommunikation zwischen Nervenzellen im Gehirn. Er hat entscheidend dazu beigetragen, das Zusammenspiel der verschiedenen an der Kommunikation beteiligten Membrankanäle und Transmitterstoffe zu erklären und im zeitlichen Ablauf darzustellen. Seine Arbeiten knüpfen an die Forschung des Nobelpreisträgers Erwin Neher an und führen ein Forschungsfeld weiter, in dem Deutschland weltweit führend ist. Langfristig erhofft man sich von diesen Arbeiten, dass sie Aufschluss über die höheren Funktionen des Gehirns wie das Denken geben.

Prof. Dr. Ferenc Krausz (43), Quantenoptik, Ludwig-Maximilians-Universität München und Max-Planck-Institut für Quantenoptik, Garching (1,55 Mio. Euro)
Ferenc Krausz gilt als der Begründer der "Atto Science", einem Arbeitsgebiet, in dem man die ultraschnellen Bewegungen von Elektronen in Echtzeit beobachten kann. Gemeinsam mit deutschen und österreichischen Kollegen ist dem gebürtigen Ungar erstmals die Entwicklung eines Geräts gelungen, das atomare Prozesse mit bisher nicht möglicher Präzision messen kann. Diese Messungen liegen im Bereich von hundert Attosekunden: eine Attosekunde beträgt 0, 000 000 000 000 000 001 Sekunden. Krausz' Forschungen bilden die Basis für neue Arbeitsgebiete, darunter die hochpräzise Materialbearbeitung und die hochauflösende Mikroskopie lebender Organismen. Von Krausz entwickelte Laser werden bereits in Kliniken zur frühen Diagnose von Augen- und Krebskrankheiten getestet.

Weitere Preisträger
Darüberhinaus wurden folgende Wissenschaftler ausgezeichnet:
- Prof. Dr. Thomas Mussweiler (36), Sozialpsychologie, Universität zu Köln (1,55 Mio. Euro)
- Prof. Dr. Felix Otto (39), Analysis partieller Differentialgleichungen, Universität Bonn (1,55 Mio. Euro)
- Prof. Dr. Dominik Perler (40), Philosophiegeschichte/Theoretische Philosophie, Humboldt-Universität zu Berlin (1,55 Mio. Euro)
- HD Dr. Gyburg Radke (30), Klassische Philologie und Philosophie, Universität Marburg (1,55 Mio. Euro)

20 Jahre Leibniz-Programm
Das Leibniz-Programm wurde 1985 eingerichtet mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter Nachwuchswissenschaftler zu erleichtern.

Für den Preis können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Fachgebieten nominiert werden. Aus den Vorschlägen wählt der Nominierungsausschuss der DFG diejenigen Wissenschaftler aus, von denen er sich durch zusätzliche Förderung eine besondere Steigerung der wissenschaftlichen Leistungen verspricht. Darunter befinden sich auch in diesem Jahr wieder zahlreiche jüngere Forscher.

Mit der Entscheidung der DFG erhöht sich die Zahl der bisher im Leibniz-Programm vergebenen Preise auf 239. Davon kommen 52 aus den Geisteswissenschaften, 67 aus den Biowissenschaften, 85 aus den Naturwissenschaften und 35 aus den Ingenieurwissenschaften.
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