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Montag, 13.02.2012
Biodiesel auf dem Vormarsch
Anbau von Energiepflanzen bleibt ein lohnendes Geschäft
Produzenten von Biokraftstoffen stehen gute Zeiten bevor – zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Bonn in einer aktuellen Studie. Darin haben sie untersucht, unter welchen Voraussetzungen sich der Anbau von Energiepflanzen für Landwirte rechnet. Vor allem die Produktion von Biogas, Pflanzenöl und Rapsölmethylester – auch RME oder Biodiesel genannt – versprechen hierzulande gute Erträge. Einen großen Anteil trägt hieran allerdings die noch bestehende Steuerfreiheit für Biokraftstoffe.

Rapsfeld
Rapsfeld
© Nadja Podbregar
Jeder Besitzer eines Dieselfahrzeugs in Deutschland hat wohl schon einmal unbewusst Biodiesel getankt: Drei bis fünf Prozent RME setzt die Mineralölwirtschaft inzwischen ihrem Dieselkraftstoff zu – nicht, weil sie dazu gesetzlich verpflichtet ist, sondern absolut freiwillig. Grund hierfür ist die Steuerbefreiung, die bislang für Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gilt. „Sie macht Biodiesel für die Ölkonzerne vergleichsweise kostengünstig“, sagt Thomas Breuer vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik der Universität Bonn. Da es den Motoren überdies egal ist, wenn sie neben dem Diesel zu einem geringen Prozentsatz chemisch veredeltes Salatöl verfeuern, steht einer Beimischung auch technisch nichts im Wege.

Allerdings ist es mit der Steuerfreiheit wohl bald vorbei: Nach den Plänen der Bundesregierung sollen künftig beim Verkauf eines Liters Biodiesel 9 Cent für den Fiskus fällig werden. Als Ausgleich wird gleichzeitig aber für die Ölkonzerne die Beimischung von mindestens 4,4 Prozent RME zum Dieselkraftstoff Pflicht. „Zudem soll zumindest das reine Rapsöl bis 2008 steuerfrei bleiben“, sagt Breuer. Gut für die Landwirte: „Die Rapspreise zeigen steigende Tendenz“, erklärt Breuer. „Und dieser Boom dürfte vorerst anhalten, wenn der gesetzliche Rahmen so bleibt.“

Rapsöl: Selber pressen oder pressen lassen?
Aus Sicht der Landwirte sind die Bedingungen für Rapsöl in Bayern besonders gut: Dort gibt es nur wenige große zentrale Rapsmühlen. Viele Bauern im Freistaat pflanzen daher nicht nur Raps, sondern erledigen auch das Pressen der Ölsaat. „Dabei sind die Wertschöpfungspotenziale am größten“, sagt Breuer. „Die relativ geringen Investitionen, die für eine dezentrale Rapsmühle anfallen, sind schnell wieder eingespielt.“ Konkurrenzfähig sind diese dezentralen Anlagen aber nur dann, wenn nicht die nächste Großpresse direkt vor der Haustür steht. In Nordrhein-Westfalen mit seinen vier zentralen Ölmühlen lohnt es sich daher nur an wenigen Standorten, den Raps selbst zu pressen.

Zudem müssen sich deutsche Rapsbauern gegenüber dem Weltmarkt preislich behaupten – ein Druck, dem beispielsweise Biogas-Produzenten nicht ausgesetzt sind. Deren Anlagen werden nämlich vor allem mit Gülle und Energiemais gefüttert – also Ausgangsstoffen, die aus der Region kommen müssen, da ihr Transport zu kostenaufwändig wäre. Zudem holt eine Biogasanlage aus einem Hektar Fläche fünfmal soviel Energie wie eine Rapspresse.

Biogas: Je größer, desto rentabler
Richtig rentabel wird eine Biogasanlage aber erst ab einer gewissen Größe. „Die Kosten gehen für eine moderne Anlage schnell in die Millionen“, erklärt Thomas Breuer. Zumal das Gas noch in Strom umgewandelt werden muss, bevor der „Energiewirt“ kassieren kann. Bis zu 11,5 Cent pro Kilowattstunde garantiert der Gesetzgeber den Betreibern momentan, dazu kommt ein etwa halb so hoher Bonus, falls die Anlage ausschließlich nachwachsende Rohstoffe vergärt. Moderne Biogas-Kraftwerke heizen durch ihre Abwärme zudem gleich noch das benachbarte Schwimmbad mit. Für dieses Feature – Kraft-Wärme-Kopplung genannt – gibt es noch einmal 2 Cent mehr. „Diese Anlagen sind aufgrund des hohen Wirkungsgrades natürlich besonders rentabel und umweltfreundlich“, weiß Breuer.

Vor allem in Pflanzenöl, Biodiesel und Biogas sieht der Agrarökonom eine zukunftsträchtige Chance für die deutsche Landwirtschaft. Und zwar eine, von der die Bundesrepublik insgesamt profitieren kann, löst sie doch gleich drei Probleme auf einen Streich: Erstens sinkt damit die Abhängigkeit von ausländischen Erdöl- und Erdgas-Lieferungen, zweitens schützt die Energieerzeugung aus Biomasse das Klima. Und drittens bietet diese Strategie einen Ausweg aus der EU-weiten Nahrungsmittel-Überproduktion: Statt Flächen einfach stillzulegen, können Landwirte sie mit Energiepflanzen bebauen und sich damit neue Einkommenspotenziale erschließen. „Auf unsere Landwirte kommen damit aber auch völlig neue Herausforderungen zu“, betont Breuer. So erfordere eine Biogasanlage ein entsprechendes technisches wie ökonomisches Know-how. „Leider gibt es für dieses zukunftsträchtige Feld noch nicht genügend Ausbildungs- und Beratungsangebote.“
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