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Freitag, 25.05.2012
Marsianischer “Wüstenlack” als Lebensindiz?
Kieselsäureüberzug des Gesteins konserviert Lebensspuren
Gab es Leben auf dem Mars? Erstaunlicherweise sind es irdische Gesteine, genauer ein mysteriöser, glänzender Überzug auf ihnen, die jetzt einen Hinweis darauf geben, wie diese Frage zu beantworten sein könnte. Eine neue, jetzt in der Fachzeitschrift Geology veröffentlichte Studie enthüllt, dass die für Trockenregionen typische Schicht des „Wüstenlacks“ als Archiv für das Leben um ihn herum fungiert – und dies möglicherweise auch auf dem Roten Planeten.

Nahansicht marsianischer Felsbrocken
Nahansicht marsianischer Felsbrocken
© NASA/JPL
Schon seit dem 19. Jahrhundert hat der in vielen Trockenregionen der Erde vorkommende glänzende Überzug auf Gesteinen Wissenschaftler interessiert. Der Naturforscher Charles Darwin war so fasziniert, dass er den Geochemiker Berzelius bat, das Material zu analysieren. Lange Zeit glaubte man, die dunkle Farbe des „Wüstenlacks“ rühre vom Mineral Manganoxid her und alle Spuren organischer Verbindungen seien durch biologische und biochemische Prozesse von im Gestein sitzenden Mikroben verursacht.

Jetzt jedoch haben Wissenschaftler um Randall Perry vom Imperial College of London den Wüstenlack mithilfe modernster Techniken, darunter hochauflösender Elektronenmikroskopie, erneut analysiert und dabei diese Theorie entkräftet. Denn ihre Ergebnisse zeigen, dass die Spuren von DNA, Aminosäuren und anderen organischen Verbindungen nicht nur nicht von Mikroorganismen in Manganoxid stammen, sondern dass auch die Grundbestandteile des Wüstenlacks ganz andere sind als bisher angenommen: Da Kieselsäure – Siliziumdioxid –das dominierende Mineral ist, ist auch eine biologische Entstehung des Lacks äußerst unwahrscheinlich.

Stattdessen muss sich die Kieselsäure aus anderen Mineralien gelöst haben und dann als eine Art Gel zusammengeklebt sein. Bei diesem Vorgang wurden organische Partikel aus der Umgebung mit in den entstehenden „Lacküberzug“ eingeschlossen und konserviert. Damit kann, so Perry, der Lack auch als Indikator dafür dienen, ob es Leben in der unmittelbaren Umwelt gab oder nicht.

“Wenn Kieselsäure in lackartigen Überzügen auch in den marsianischen Wüsten oder in Höhlen existiert, dann könnte er auch dort alte Mikroben oder chemische Signaturen von vergangenem Leben eingeschlossen haben“, erklärt Perry. Wüstenlack bildet sich über Zehntausende von Jahren hinweg und die tiefsten, ältesten Schichten des Lacks können sich daher unter ganz anderen, lebensfreundlicheren Bedingungen gebildet haben wie die jüngsten. „Diese glänzenden Archive der lokalen Bedingungen können uns ein Fenster zurück in die Vergangenheit öffnen. Der marsianische Wüstenlack könnte eine faszinierende Chronologie der Marsumwelt enthalten“, ergänzt der Forscher.

Ob dies tatsächlich so ist, müssen zukünftige Marsmissionen klären. Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre jetzigen Ergebnisse Anstoß geben für die Planung einer Mission, bei der Proben auch des Wüstenlacks mit zur Erde gebracht werden.
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