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Montag, 13.02.2012
Besserer Schutz für „Geysire“ der Tiefsee
Wissenschaftler fordern verantwortungsvollen Umgang mit einzigartigen Ökosystemen
Hydrothermalquellen, besser bekannt als „Schwarze Raucher“ oder „Weiße Raucher“, kommen entlang den vulkanisch aktiven Gebirgskämmen von mittelozeanischen Rücken in allen Weltmeeren vor. Um das bis zu 400 Grad Celsius heiße Wasser existieren exotische Lebensgemeinschaften, die zu den geheimnisvollsten der Erde gehören. InterRidge, ein internationaler Zusammenschluss von Hydrothermalforschern, hat gestern auf dem EuroScience Open Forum (ESOF) zur zukünftigen Forschung an mittelozeanischen Rücken in München für den Schutz dieser einzigartigen Ökosysteme plädiert. Die Wissenschaftler präsentierten dort eine Verpflichtungserklärung für den verantwortlichen Umgang mit diesen besonderen Bereichen der Tiefsee. Die Hydrothermalquellen werden künftig unter anderem vom Unterwasserbergbau bedroht.

Röhrenwürmer
Röhrenwürmer
© Richard Lutz, Rutgers University
"Wir möchten unsere Vorstellungen über die Forschung und den verantwortungsbewussten Umgang mit der Tiefsee präsentieren. Weitere Erkenntnisse über diese einzigartigen Ökosysteme sind sehr wichtig. Wir als Wissenschaftler möchten dazu einen Beitrag leisten, diese Systeme dauerhaft zu schützen", sagt Professor Colin Devey vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel (IFM-GEOMAR) und Vorsitzender von InterRidge. Der Geologe wird diese Forderungen auch bei der internationalen Tagung über den Marinen Bergbau (Underwater Mining Institute) am IFM-GEOMAR in Kiel vom 24. bis 26. September 2006 präsentieren.

Die Stellungnahme bietet eine Richtlinie für verantwortliche Vorgehensweisen bei Forschungs- und Erkundungsvorhaben an mittelozeanischen Rücken. Diese Hinweise sind nicht nur von Bedeutung für Forscher, sondern auch für Regierungsbehörden und die so genannten "nicht Regierungsorganisationen".

Unterwasserbergbau bedroht „Schwarze Raucher“
Seit ihrer Entdeckung Ende der siebziger Jahre, beflügeln die einzigartigen Ökosysteme der Hydrothermalquellen die Phantasie von Forschern und der breiten Öffentlichkeit zugleich. Aktuell stehen sie erneut im Blickpunkt, denn neue Technologien lassen intensivere Forschungsarbeiten zu und sogar einen wirtschaftlich lukrativen Abbau von den dort vorkommenden Erzlagerstätten. Erste Untersuchungen zum Abbau von mineralischen Rohstoffen sind im Südpazifik bereits in Gang.

"Der Mensch beeinflusst alle Bereiche des Ozeans, von der Antarktis bis zur Arktis und von der Oberfläche bis zu mehreren Kilometern in die Tiefe", sagt Devey. "Vielen Menschen wird jetzt bewusst, dass es genau so wichtig ist, das Meer und seine verborgenen Lebewelten zu schützen, wie die sichtbaren Ökosysteme an Land."

Leben in Extremen
Die Lebensbedingungen um die Hydrothermalquellen herum gehören zu den Extremsten der Erde. Sie werden gespeist von Energie aus dem Erdinneren, dort wo Magma an den mittelozeanischen Rücken aufsteigt. Diese Bergketten auf dem Meeresboden sind mit ihren mehr als 60.000 Kilometern Länge das größte kontinuierliche topographische Merkmal unseres Planeten.

Das Bestreben die Tiefsee und ihre besonderen Ökosysteme zu schützen, beschäftigt neuerdings nicht nur die Meeresforscher, sondern auch nationale und internationale Behörden, Umweltschutzorganisationen, die Industrie und sogar Tourismusunternehmen. Das Plädoyer von InterRidge wurde von Wissenschaftlern der Organisation stellvertretend für die 27 Mitgliedsstaaten verfasst.
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