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Montag, 13.02.2012
Medikamenten-Grundstoff im Darmbakterium entdeckt
Erstmals Polyketide in Coli-Bakterien gefunden
Obwohl sie inzwischen zu den „Haustieren“ der Wissenschaft gehören, sorgen Escherichia coli- Bakterien immer noch für Überraschungen: Jetzt haben Forscher festgestellt, das die Darmbakterien Polyketide produzieren, eine Stoffklasse, zu der viele Antibiotika gehören und die für die Produktion von neuen Medikamenten besonders ihnteressant ist.

Escherichia coli
Escherichia coli
© CDC
Wie machen Bakterien den Menschen krank? Diese Frage hat schon viele Forscher umgetrieben, und inzwischen gibt es darauf auch viele Antworten. Zum Beispiel: Bakterien produzieren Proteine, mit denen sie sich besonders gut an Zellen des Menschen anheften können. Oder sie sondern Giftstoffe ab, die dem Organismus ihres Wirtes zu schaffen machen.

"Wenn man die krank machenden Eigenschaften der Bakterien wirklich verstehen und bekämpfen will, reicht es aber nicht aus, nur einzelne Gene oder Proteine anzusehen", erklärt Infektionsbiologe Jörg Hacker von der Uni Würzburg. Stattdessen sei es nötig, das gesamte Erbgut zu betrachten. Denn viele Faktoren, mit denen Infektionserreger eine Krankheit auslösen, kommen auch bei harmlosen Verwandten vor, wo sie eben nicht krankheitserregend wirken.

Darüber berichtet Hacker mit seinem Würzburger Kollegen Ulrich Dobrindt und Forschern aus Göttingen, Ungarn und Frankreich in der Zeitschrift PNAS. In der Arbeit geht es um Escherichia coli: Diese Bakterien sind friedliche Bewohner des Darmes, treten aber auch in Varianten auf, die den Menschen in Gefahr bringen - etwa weil sie Blutvergiftungen auslösen oder die Harnwege infizieren. Das neu entdeckte Polyketid findet sich bei jeder der drei genannten Coli-Varianten. Wirkt es auf die Zellen höherer Organismen ein, lässt es deren DNA auseinanderbrechen. Das behindert die Zellteilung.

"Diesen Befund kann man in zwei Richtungen diskutieren", so Hacker. Zum einen lasse sich darin eine Schädigung des Erbguts und der Zelle sehen, verbunden mit einem höheren Krebsrisiko. Zum anderen könne durch das Zerbrechen der DNA auch die Aktivität von Zellen gebremst werden: Möglicherweise halten die Coli-Bakterien mit Hilfe des Polyketids die Immunabwehr in Schach und sichern so ihr Dasein im Darm. Und das ist letzten Endes auch für den Menschen wichtig.

"Ohne Darmbakterien wären wir alle nicht lebensfähig", sagt Hacker. Zudem sei es denkbar, dass das Polyketid auch den Vermehrungsdrang von Krebszellen unterdrücken könnte. Die wissenschaftlichen Details dieser in Kooperation mit Forschern aus Göttingen und Frankreich entstandenen Arbeit sind in "Science" veröffentlicht.

Aus der Klasse der Polyketide stammen viele Wirkstoffe, die in der Medizin eingesetzt werden - etwa bei Infektionen, in der Krebstherapie oder zur Unterdrückung des Immunsystems. Dass Coli-Bakterien einen Vertreter dieser Substanzklasse produzieren können, eröffnet nun neue Wege: "Möglicherweise können Polyketide und verwandte Substanzen künftig biotechnologisch mit Hilfe der Bakterien hergestellt werden", so der Würzburger Professor. Für die Produktion von Insulin zum Beispiel werden Coli-Bakterien schon seit langem eingesetzt.
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