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Montag, 13.02.2012
Digitales Weltgedächtnis in Gefahr
Probleme der digitalen Langzeitarchivierung erforscht
Ein großes Problem der digitalen Speichertechnologien ist ihre fehlende dauerhafte Haltbarkeit. Dabei werden immer häufiger unwiederbringliche Dateien wie wissenschaftliche Roh- und Experimentaldaten nur noch digital abgespeichert oder umkopiert. Da jedoch die Haltbarkeit der Speicherträger in der Regel nur einige Jahrzehnte beträgt, ist auf lange Sicht ein großer Teil des Wissens der Menschheit gefährdet. Ein neues Forschungsprojekt an der FernUniversität in Hagen soll nun zeigen, wie sich elektronische Daten in Zukunft sicher bewahren lassen.

Computer
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© PNNL
Damit das digitale Wissen nicht einfach verschwindet, müssen die Daten rechtzeitig auf andere Datenträger umkopiert werden, und zwar nach allgemein gültigen Standards. Das Lehrgebiet Multimedia und Internetanwendungen an der FernUniversität in Hagen ist an verschiedenen Projekten beteiligt, die eine sichere und möglichst effiziente Sicherung elektronischer Daten zum Ziel haben.

In Bibliotheken, Archiven und Museen, in Behörden oder medizinischen Einrichtungen gibt es Beauftragte, die die wertvollen Dokumente umkopieren. In vielen Unternehmen aber nicht. In immer mehr Firmen wird die gesamte Eingangspost gescannt und nur noch elektronisch bearbeitet. Nun müsste regelmäßig geprüft werden, ob die Lesetechnik auf absehbare Zeit zur Verfügung steht: "Was passiert, wenn PDF- Dokumente nicht mehr geöffnet werden können?" fragt Professor Matthias L. Hemmje vom Lehrgebiet Multimedia und Internetanwendungen der FernUniversität in Hagen mit Hinweis auf den Vorgänger "PostScript" Ende der 1980-iger Jahre: "Irgendwann wird der Support für jede Soft- und Hardware eingestellt, sind Dokumente wegen fehlender Kompatibilität nicht mehr zu öffnen."

Meta-Informationen wichtig
Das Projekt Digital Preservation Europe (DPE) soll Empfehlungen zu zukünftigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf dem Weg zu einheitlichen Standards erarbeiten, um zum Beispiel in jeder Datei Meta-Informationen über die zur Erstellung und damit auch zur langfristigen Sicherung und Archivierung notwendigen Prozesse und Werkzeuge zu speichern. Gibt ein Hersteller dann zum Beispiel bekannt, dass er den Support für ein Produkt einstellen wird, kann der gesamte Bestand zum Beispiel einer Festplatte gescannt und die gefährdeten Dateien zielgerichtet umkopiert werden. Von der Handhabung her könnte dies so einfach sein, wie das Anwenden einer Suchfunktion im Windows-Explorer. Noch einfacher ginge es mit einer Funktion wie dem automatischen Windows-Update: Über das Internet werden Rechner nach den entsprechenden Dateiformaten untersucht und die gefundenen Dokumente (halb-)automatisch umkopiert.

Beim DPE-Projekt hat das Lehrgebiet der FernUniversität Hagen die Koordination von Beiträgen zu Forschungsempfehlungen auf Europa-Ebene übernommen, um Bibliotheken, Archive und Museen als so genannte "Gedächtnis-Institutionen" zu verknüpfen. Ziel ist es, sich gemeinsam auf Standards und Methoden zu einigen, um Datenverluste effektiv zu vermeiden. Die Ergebnisse sollen ins 7. Rahmenprogramm der Europäischen Kommission ab 2007 einfließen, die Forschungsempfehlungen können ihre Projektförderungen in den folgenden 3 bis 5 Jahren maßgeblich beeinflussen. Die Themenvorschläge bereitet das DPE-Projekt vor. Hierfür muss das gesamte Hintergrundmaterial zu den Forschungen bezüglich Digitaler Langzeit-Archivierung der letzten drei Jahre aufgearbeitet werden.

Bei der Erstellung einer Strategie der Digitalen Langzeitarchivierung (LZA) erhebt sich allerdings mindestens die Frage, ob wirklich alle Informationen kopiert werden.
Konvertiert man zum Beispiel Schallplatten-Musik zu MP3-Dateien, geht ein großer Teil der Informationen verloren, auch wenn man dies nicht unbedingt hört. Keinen Verlust gibt es, wenn man eine andere Strategie verfolgt und die notwendigen Werkzeuge zum Auslesen von Informationen auf Dauer aufbewahrt.
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