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Montag, 13.02.2012
ITER: „Sonnenfeuer“ nimmt weitere Hürde
Internationales Fusionsprojekt offiziell gegründet
Die Kernfusion gilt als mögliche Energie der Zukunft. Noch aber ist die Technologie nicht ausgereift. Doch das soll sich so schnell wie möglich ändern. Deshalb erfolgt jetzt der nächste Schritt auf dem Weg zu einem „Sonnenfeuer-Kraftwerk“: Das internationale Fusionsprojekt ITER wird heute offiziell ins Leben gerufen. Die Forschungsminister der sieben beteiligten Staaten unterschreiben im Pariser Elysée-Palast das rechtliche Abkommen zum Bau der fünf Milliarden Euro teuren Anlage. Anwesend sein werden auch Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac als Gastgeber und EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Blick in das ringförmige Plasma der Fusionsanlage
Blick in das ringförmige Plasma der Fusionsanlage
© Max-Planck-Institut für Plasmaphysik
"Jetzt kann die ITER-Organisation ihre Mission beginnen: eine weltweite internationale Anstrengung, die der gesamten Menschheit eine neue Energiequelle erschließen wird", sagt der ITER-Generaldirektor Kaname Ikeda zu dem nun ratifizierten Übereinkommen. ITER ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen China, der Europäischen Union, Indien, Japan, Südkorea, Russland und den USA und wird nahe Cadarache in Südfrankreich gebaut werden.

"Das Forschungszentrum Jülich freut sich zusammen mit seinen internationalen Partnern, diese Herausforderung anzugehen", sagt Achim Bachem, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrum Jülich. "Wir werden unsere einmalige Jülicher Materialkompetenz in dieses Projekt einbringen, um einen weiteren Baustein zur nachhaltigen Energieversorgung zu setzen." Das Forschungszentrum Jülich betreibt exzellente Energieforschung mit breiten Ansatz: Von Photovoltaik bis Fusion, von Brennstoffzellen bis Turbinenwerkstoffen, von Systemanalyse bis Sicherheitsforschung.

Neue Ära der Fusionsforschung
Das Forschungszentrum Jülich beteiligt sich bereits seit 1988 an den Konzeptstudien und an den Vorbereitungsarbeiten für ITER. Professor Ulrich Samm, Direktor am Jülicher Institut für Plasmaphysik und Leiter des Projekts Kernfusion: "Mit diesem historischen Akt tritt die Fusionsforschung in eine neue Ära ein. Die Hälfte der Menschheit hat sich nun zusammengeschlossen, um am europäischen Standort in Cadarache in Südfrankreich die prinzipielle Machbarkeit einer neuen, sicheren, umweltfreundlichen und weltweit zugänglichen Primärenergiequelle zu demonstrieren. Mit Hilfe von ITER werden wir die letzte große Herausforderung – den wirtschaftlichen Dauerbetrieb eines Fusionskraftwerks – angehen, damit im dritten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts erstmals Strom aus einem Fusionsgroßkraftwerk ins Netz gespeist werden kann."

Und weiter: "Die Jülicher Fusionsforscher haben an dieser Entwicklung maßgeblich mitgewirkt und freuen sich nun auf ihre neuen Aufgaben beim Bau und der späteren Nutzung von ITER. Unsere Kompetenz bei der Entwicklung von Materialien, die den Dauerbeschuss durch Teilchen und Energie am Rand der Fusionsbrennkammer aushalten können, wird für ITER genauso wichtig sein, wie unsere Erfahrung bei der Erforschung der Wechselwirkung der viele Millionen Grad heißen Fusionsmaterie mit diesen Materialien."

Er und seine Mitarbeiter werden federführend die Materialen und das Design der inneren Kammerwand gestalten, die den hohen Temperaturen des 100 Millionen Grad heißen Plasmas standhalten muss. Seit seiner Gründung 1956 betreibt das Forschungszentrum Jülich Plasma- und Fusionsforschung. "Dank neuer Materialien hoffen wir, den wirtschaftlichen Dauerbetrieb eines Fusionskraftwerkes bis 2035 erreichen zu können", so Samm.

Inbetriebnahme in zehn Jahren?
ITER wird in etwa zehn Jahren als die weltweit größte Anlage in Betrieb gehen, die die wissenschaftliche und technische Machbarkeit eines Kernfusionskraftwerks demonstrieren soll. Die Errichtungskosten werden ungefähr fünf Milliarden Euro betragen, die im Wesentlichen in Form von Entwicklungsaufträgen an die Industrie und an Forschungseinrichtungen in den Partnerstaaten vergeben werden.

Die Europäische Union wird etwa die Hälfte der Errichtungskosten tragen, die andere Hälfte wird auf die restlichen sechs Partnerländer aufgeteilt. Nach Deutschland sollen Aufträge in der Höhe von immerhin etwa 500 Millionen Euro kommen.
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