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Montag, 13.02.2012
Podsol ist „Boden des Jahres“
Nährstoffarmer Boden bietet Lebensraum für selten gewordene Pflanzenarten
Anlässlich des Weltbodentages am 05. Dezember haben die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft (DBG) und der Bundesverband Boden (BVB) den „Boden des Jahres 2007“ präsentiert. Der nährstoffarme Podsol wurde vom Kuratorium ausgewählt, weil er in seiner Entstehungsgeschichte sehr interessant ist, als Archiv für die Nutzung in den vergangenen Jahrhunderten dienen kann und zudem attraktiv aussieht. Er kommt vor allem unter Besenheidevegetation in der Lüneburger Heide und unter Wald in Mittelgebirgen vor.

Podsol im Profil
Podsol im Profil
© Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Hannover Podsol im Profil
„Über den Boden laufen die Menschen meist achtlos hinweg, dabei hängt soviel von ihm ab: Er ist Ernährungsgrundlage, beteiligt sich an der Reinhaltung der Luft, spendet sauberes Grundwasser und vieles mehr“, erklärt Reinhold Jahn, Professor für Bodenkunde und Bodenschutz am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „In Deutschland gibt es 56 unterschiedliche Bodentypen und mehr als 220 Subtypen“, fügt Jahn hinzu.

Nährstoffarm und sauer
Podsole entwickeln sich auf Standorten mit nährstoffarmen Ausgangsgesteinen wie Sandsteine, Granite oder Flugsande. Bedingungen für seine Entstehung sind vor allem mäßige bis hohe Niederschläge und hohe Luftfeuchtigkeit sowie verhältnismäßig niedrige Jahresmitteltemperaturen. Die Podsolierung ist stets mit erheblicher Versauerung verbunden. Das sind sehr ungünstige Bedingungen für Mikroorganismen, die die Streurückstände der Heide- und Waldstandorte darum wenig zersetzen.

Daraus werden Säuren freigesetzt, die sich mit Eisen und Aluminium der verwitterten Minerale zu wasserlöslichen Stoffen verbinden, die in den Unterboden ausgewaschen werden. Der gebleichte violettstichige hellgraue Auswaschungshorizont sieht aus wie Asche, was ihm seinen Namen gab (russisch: pod sol, aschefarbener Boden). In dem darunter liegenden Bereich werden die ausgewaschenen Verbindungen wieder ausgefällt, die braunschwarzen und rotbraunen Schichten können oftmals „Ortstein“ bilden. Doch auch der Mensch trug zur Podsolbildung bei. So wurde der Boden durch Rodungen der Eichen-Birkenwälder und Wiederaufforstung mit Kiefern beziehungsweise durch die Verbreitung der Heidevegetation als Folge der mittelalterlichen Plaggenwirtschaft immer saurer und nährstoffärmer, die Podsolierung schritt voran.

Lüneburger Heide und Mittelgebirge
Lüneburger Heide mit Calluna vulgaris
Lüneburger Heide mit Calluna vulgaris
© Pietrzok Lüneburger Heide mit Calluna vulgaris
In Deutschland sind Podsole von der Küste über die bekannte Lünebürger Heide mit den Calluna vulgaris Feldern bis ins humide Bergland zu finden. Podsole sind zudem ein wertvolles Archiv der Natur- und Kulturgeschichte, da sie wichtige Informationen zur Entwicklung von Landschaft, Siedlungsstruktur und Kulturtechnik liegfern vom Mittelalter bis heute liefern.

Doch warum braucht man einen Boden des Jahres? Böden sind die dünne und sehr empfindliche Haut der Erde und ohne sie wäre ein Leben auf der Erde nicht denkbar: es gäbe kein Brot, keine Bäume und auch kein sauberes Trinkwasser. Sie sind somit die Basis der Ökosysteme und Grundlage für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung. Leider ist das Bodenbewusstsein heute im Zeitalter globalen Handels kaum noch vorhanden. Gegenwärtige Gefahren und Schäden durch falsche Nutzungen werden kaum noch wahrgenommen.

Dabei ist der Boden, der zumeist Jahrtausende zur Entstehung benötigt, durch vielfältige Eingriffe des Menschen stark belastet und gefährdet. Um Wissen zu vermitteln und Verantwortung für den Bodenschutz greifbar und verständlich zu verstehen, wird nun zum dritten Mal ein Boden des Jahres bekannt gemacht. Im vergangenen Jahr war dies die Fahlerde, im Jahr 2005 hingegen die Schwarzerde.

Informationsmaterial
Weitere Materialien wie Flyer, Plakate oder CD’s sind über das Kuratorium "Boden des Jahres" (Monika Frielinghaus) bzw. über das Museum am Schölerberg in Osnabrück (Tel. 0541- 56003-0) zu erhalten.
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