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Montag, 13.02.2012
Hilft Bäume pflanzen gegen den Klimawandel?
Aufforstung in hohen Breiten ist klimatisch sogar kontraproduktiv
Es ist nie zu spät, einen Baum zu pflanzen – oder doch? Forscher haben jetzt untersucht, ob das Pflanzen zusätzlicher Bäume gegen den Klimawandel helfen könnte. Ihr Ergebnis: Ja und nein. Denn es kommt darauf an, wo aufgeforstet wird. In den hohen Breiten könnte zusätzlicher Waldbestand das Klima sogar weiter anheizen, statt die Treibhausgas-Konzentration zu senken, in gemäßigten Regionen ist das Anpflanzen von Bäumen klimatisch wirkungslos.

Wald
Wald
© Lawrence Livermore Laboratory Wald
Auf der Jahresversammlung der Amerikanischen Geophysikalischen Gesellschaft stellten Wissenschaftler des Lawrence Livermore National Laboratory, der Carnegie Institution und der Université Montpellier II eine Studie vor, die mithilfe eines dreidimensionalen Klima-Kohlenstoff-Modells erstmals die Effekte einer großräumigen Entwaldung sowohl auf die Klimaentwicklung als auch auf den Kohlenstoffkreislauf analysierte.

Positiver Effekt nur in den Tropen
Überraschenderweise stellte sich dabei heraus, dass die Wälder einer Erwärmung sogar fördern können. Wald beeinflusst das Klima auf drei Wegen: Sie absorbieren das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Atmosphäre und wirken dadurch als Puffer gegen die steigenden Treibhausgaswerte. Zum anderen verdunsten sie Wasser und fördern damit die Wolkenbildung. Auch das hilft, den Planeten zu kühlen. Doch als Drittes bilden sie auch dunkelgrüne Flächen auf der Erdoberfläche, die viel Sonnenlicht absorbieren und damit die Erde aufheizen.

Bisher haben Klimaschutzstrategien immer nur den ersten Effekt mit eingerechnet und das Pflanzen von Bäumen als Kohlenstoffsenken propagiert. Aber die neuen Untersuchungen ergeben, dass es dabei entscheidend darauf ankommt, wo diese Bäume stehen. „Unsere Studie zeigt, dass tropische Wälder sehr positiv für das Klima sind, da sie Kohlenstoff aufnehmen und die Wolkenbildung fördern“, erklärt Govindasamy Bala, Forscher am Lawrence Livermore National Laboratory und Hauptautor der Studie.

Kontraproduktiv in hohen Breiten
Anders dagegen sieht es bei den Wäldern in den mittleren und hohen Breiten aus. Sie werden bis zum Jahr 2100 dafür sorgen, dass einige Regionen bis zu zehn Grad wärmer sind, als sie es ohne Waldbestand gewesen wären. „Die Verdunkelung der Oberfläche durch die neuen Waldflächen in den borealen Regionen ermöglicht die Absorption von mehr Sonnenlicht und dies trägt zur Erwärmung der Oberfläche bei. Tatsächlich könnte – aus klimatischer Sicht – das Pflanzen neuer Bäume in den hohen Breiten kontraproduktiv sein“, so Bala.

Klimatisch wirkungslos in gemäßigten Regionen
In den gemäßigten Regionen ergaben die Analysen dagegen nur sehr wenig oder keinen Effekt einer Aufforstung – das berühmte Apfelbäumchen dürfte also klimatisch gesehen keinen großen Unterschied machen. Gerade in den mittleren Breiten wurde bisher eine Aufforstung für den Klimaschutz stark propagiert. Doch die positiven Effekte werden in diesen Regionen, so belegen es die neuen Zahlen, ganz offensichtlich durch den negativen Effekt der erniedrigten Albedo wieder aufgehoben.

“Unsere Studie zeigt, dass die Konservierung und Wiederherstellung von Wäldern klimatisch gesehen ein eher ineffektiver Ansatz gegen den Klimawandel ist”, so Ken Caldeira, Koautor der Studie und Forscher an der Carnegie Institution. „Um den Klimawandel zu verhindern, müssen wir unser Energiesystem verändern. Nur in Kombination damit und der Konservierung der natürlichen Habitate können wir eine gesunde Umwelt erhalten. Um den Klimawandel zu verhindern, müssen wir uns auf effektive Strategien konzentrieren, nicht nur auf ‚Feel-Good’-Strategien.“
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