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Freitag, 25.05.2012
Europäisches „Great Barrier Reef“ gerettet
Etappenerfolg im Schutz europäischer Kaltwasserkorallen
Schottlands einzigartige Ansammlung von Kaltwasserkorallen, die Darwin Mounds, sollen nun endlich dauerhaft geschützt werden. Der Anfang letzter Woche in Brüssel gefasste Beschluss der europäischen Fischereiminister, die Fischerei mit Bodenschleppnetzen aus den Darwin Mounds komplett zu verbannen, folgt der jahrelangen Lobbyarbeit von Umweltorganisationen wie dem WWF und einem Versprechen des Britischen Umweltministeriums aus dem Jahr 2001.

Kaltwasserkorallen
Kaltwasserkorallen
© WWF
„Gerade noch rechtzeitig bleibt uns damit einer der faszinierendsten und lebendigsten Unterwasserlebensräume in unseren Breiten erhalten.Die Kaltwasserkorallen sind unser europäisches Äquivalent zum Great Barrier Reef in Australien, mit ihren Schwämmen, Seesternen, Seeigeln und vielfältigen Tiefwasser-Fischschwärmen“, erläutert Stephan Lutter, WWF-Experte für Internationalen Meeresschutz.

Die Darwin Mounds, über tausende von Jahren gewachsen, wurden erst 1998 etwa 185 km nordwestlich der schottischen Küste entdeckt: In einer Tiefe von tausend Metern unter dem Meeresspiegel erstrecken sich hunderte von Korallenriffen (Lophelia pertusa) mit einer Höhe von bis zu fünf Metern und einer Fläche von bis zu je hundert Metern. Sie gehören zu einem Korallengürtel, der sich von Norwegen über Schottland bis Portugal erstreckt und wie sein bekanntes Pendant in Australien Lebensraum, Nahrungsquelle und Zufluchtsort für mehr als tausend Arten bietet. Dazu gehören beispielsweise Krabben oder äußerst langlebige Tiefseefische wie Grenadierfisch und Atlantischer Sägebauch. Diese Senioren unter den Fischen können zwischen 50 und 130 Jahre alt werden.

„Seit ihrer Entdeckung 1998 und mit besonderem Nachdruck auf dem OSPAR-HELCOM-Ministertreffen im Juni 2003 in Bremen, hat der WWF vor der Gefährdung der Darwin Mounds und der anderen Kaltwasserkorallen durch Schleppnetzfischerei gewarnt. Nun verwirklicht die europäische Fischereipolitik erstmals ihre bisherigen bloßen Lippenbekenntnisse, dass die Fischerei naturverträglich arbeiten muss, an einem konkreten Beispiel. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings, dass die anderen Kaltwasserkorallenriffe, beispielsweise vor den Azoren und Madeira, weiterhin rücksichtslos mit Bodentrawlern platt gemacht werden.“, resümiert WWF-Experte Stephan Lutter.
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