Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 25.05.2012
Pantanal ist "Bedrohter See des Jahres 2007"
Größtes Binnenfeuchtgebiet der Erde bedroht
Das südamerikanische Pantanalfeuchtgebiet ist "Bedrohter See des Jahres 2007": Dies hat jetzt die internationale Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) bekannt gegeben. Abholzung, Monokulturen, intensive Viehwirtschaft sowie Gold- und Diamantengewinnung bedrohen das von Savannen, Tropenwäldern, Flüssen, Sümpfen und Seen geprägte Areal, so die Umweltstiftung.

Der tropische Regenwald
Der tropische Regenwald
© Avis Multimedia Entertainment Inc.
Beispielsweise mit dem Bau von neuen Ethanolfabriken setze sich die negative Entwicklung auch in Zukunft fort. Bis zum Jahr 2050 könnte dieses weltweit größte Feuchtgebiet ganz verschwunden sein, so der der GNF anlässlich des Welttags der Feuchtgebiete am 2. Februar 2007.

Das Pantanal mit seinen Anrainern Brasilien, Paraguay und Bolivien ist mit rund 140.000 Quadratkilometer Fläche doppelt so groß wie Bayern. Über 1700 Pflanzenarten, 665 verschiedene Vogel-, 265 Fisch- und 123 Säugetierarten sind der Grund, warum das Pantanal von den Brasilianern zu Recht als "Garten Eden" bezeichnet wird. Zu den prominenten Pantanalbewohnern aus der Tierwelt zählen Jaguar, Ozelot und Brillenkaiman, der riesige Jabiru-Storch und der vom Aussterben bedrohte Hyazinth-Ara. Doch vielleicht schon nicht mehr lange.

Die Totengräber des Pantanals
"Im Einzugsgebiet des Pantanals werden immer mehr Soja und Ethanol für die Märkte in Europa und Nordamerika produziert - auf Kosten unserer einzigartigen Natur", so Adalberto Eberhard, Gründer der brasilianischen Naturschutzorganisation ECOTROPICA. "Abholzung, Erosion und Vergiftung unserer Flüsse und Seen im Pantanal sind die Folge der erweiterten Anbauflächen für Soja und Zuckerrohr. Durch ihre jüngste Genehmigung für den Bau von Ethanolfabriken erweist sich die Regierung von Mato Grosso do Sul als Totengräber des Pantanals".

Die Regierung des brasilianischen Bundesstaates Mato Grosso do Sul hat trotz massiven Widerstandes von Umweltschützern kürzlich den Bau von Ethanol-Destillen im Einzugsbereich des Pantanals genehmigt. Dadurch gelangen ungeklärte Abwässer in das weit verzweigte Flusssystem des Feuchtgebietes. Lebensräume seltener und vom Aussterben bedrohter Arten müssen Zuckerrohrplantagen weichen. ECOTROPICA und GNF fordern wegen der dramatischen Auswirkungen auf das sensible Ökosystem des Pantanals eine Rücknahme dieser Entscheidung.

Infolge der wachsenden Nachfrage nach Biotreibstoffen in den USA und in Europa will Brasilien seine auf Zuckerrohr basierende Ethanolproduktion von gegenwärtig jährlichen 21 Milliarden Liter bis zum Jahr 2010 um rund die Hälfte steigern. Auch der Anbau von Soja soll ausgeweitet werden. Neben der Verwendung als Futtermittel eignet sich die Nutzpflanze als Biotreibstoff. Brasilien ist mit 50 Millionen Tonnen der zweitgrößte Sojaproduzent der Welt.

Soja- und Zuckerrohrfelder so weit das Auge reicht
Bereits heute dehnen sich riesige Soja- und Zuckerrohrfelder in ursprünglich bewaldeten, höchst artenreichen Savannenlandschaften, den so genannten Cerrados, aus. Ein intakter Hochland-Cerrado ist jedoch von wesentlicher Bedeutung für den natürlichen Wasserhaushalt des tiefer gelegenen Pantanal-Überschwemmungslandes. Rodung und Bodenverdichtung durch den Einsatz schwerer Landmaschinen führen zu Erosion und Veränderung des Wasserregimes. Die eingesetzten Kunstdünger und Pestizide werden ausgeschwemmt und verschlechtern die Wasserqualität der ins Pantanal fließenden Flüsse.

Kleinbauern zählen nach bisherigen Erfahrungen zu den wirtschaftlichen Verlierern gegenüber des von Großkonzernen und Großgrundbesitzern betriebenen, kapitalintensiven, großflächigen und industrialisierten Soja- und Zuckerrohranbaus.

"Die großflächige Erzeugung von Soja und Ethanol haben im Einzugsbereich des Pantanals nichts zu suchen", so Marion Hammerl, Präsidentin des GNF. "Aufgrund des hohen Energieeinsatzes und einhergehender Brandrodung sind Soja und Ethanol keine Lösung für die Energieprobleme in Europa."
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Abholzung, Monokulturen, intensive Viehwirtschaft, Gold, Diamantengewinnung, Savannen, Tropenwälder, Flüsse, Feuchtgebiet
Weitere News zum Thema
Regenwald als Schmetterlingsparadies (23.12.2011)
Forscher entdecken in Ecuador und Costa Rica zahlreiche unbekannte Falterarten
Treibhausgas-Emissionen erreichten 2010 neues Rekordhoch (05.12.2011)
Weltwirtschaftskrise führte nur zu kurzfristiger Abnahme des CO2-Ausstoßes
Permafrost gibt fünf Mal mehr Treibhausgase ab als gedacht (01.12.2011)
Freisetzung von bis zu 380 Milliarden Tonnen Kohlenstoff bis 2100
Regenwald-Inseln sind wertvoller als gedacht (25.11.2011)
Forscher plädieren auch für den Schutz von kleinen, zerteilten Waldstücken
Umwelt würde unter billigerer Nahrungs-Produktion leiden (25.11.2011)
Berechnungen enthüllen Zielkonflikt zwischen Ernährung und Klimaschutz
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Okavango-Delta
Wasserkrise im „Garten Eden“?
Totes Meer
Vom Salzsee zum Sandsee?
Die grüne Wüste
Der tropische Regenwald - auf Sand gebaut
Palau
Arche Noah im Westpazifik
Great Barrier Reef
Bedrohte Wunderwelt des Meeres
Bedrohtes Paradies Wattenmeer
Wo der Meeresboden begehbar ist...
Aralsee
Chronik einer anthropogen verursachten Katastrophe
Aralsee
Neuigkeiten von einer ökologischen Katastrophe
Diamanten
Hochkarätiges aus dem Bauch der Erde
News des Tages
DNA mit „Sonnenbrand“
Erde droht Klima-Kollaps
Eine Identität für „verborgene“ Mikroben
Nicht nur tiefe Männerstimmen sind sexy
Bakterium verantwortlich für Meeresgeruch
Klimawandel: Kaltwasserpumpe kühlt Meerwasser ab
Pantanal ist "Bedrohter See des Jahres 2007"
Bücher zum Thema
Einführung in die Ökologie
von Wolfgang Tischler
Wodurch sind wir in die ökologische Bedrohung geraten?
von Jaspar von Oertzen und Franz Alt
Fair Future
Ein Report des Wuppertal Instituts
Regenwald
von Sara Oldfield
Die Letzten ihrer Art
Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde von Douglas Adams und Mark Carwardine
Das Lächeln des Tigers
Von den letzten Menschen- fressern der Welt. von David Quammen
Dschungelpfade
Abenteuerliche Reisen durch Papua-Neuguinea von Tim Flannery
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Mensch trägt direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei
5. Straßenlaternen verändern Tierwelt des Bodens