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Montag, 13.02.2012
Mollig warm dank Hanf und Mais
Forscher entwickeln neuen, effektiven Natur-Dämmstoff
Dreht man die Heizung auf, soll die Wärme im Haus bleiben und nicht durch die Wände entwischen. Forscher haben jetzt einen neuen Dämmstoff entwickelt, der zu hundert Prozent aus Naturprodukten besteht und die Wärme dort hält, wo sie hingehört: Im Inneren des Gebäudes.

Neuer Naturdämmstoff
Neuer Naturdämmstoff
© Fraunhofer Gesellschaft
Immer mehr Hausbesitzer dämmen Dächer und Wände, um Heizkos-ten zu sparen und die Kohlendioxidemissionen zu verringern. Doch bei der Auswahl der Materialien hört die Umweltfreundlichkeit oft auf. Erste Wahl sind meist Stein- und Glaswolle sowie geschäumte Kunststoffe wie Styropor oder Polyurethan. Nur etwa fünf Prozent der Dämmstoffe werden bisher aus nachwachsenden Rohstoffen wie Schilf, Flachs, Hanf, Stroh oder Wolle gewonnen. Dabei haben Matten aus Naturmaterialen entscheidende Vorteile: Ihre Herstellung verbraucht relativ wenig Energie, sie sind gesundheitlich unbedenklich, und sie lassen sich – wenn sie nicht mehr gebraucht werden – kompostieren oder klimaneutral verbrennen.

Das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal hat nun gemeinsam mit vier Partnern neue Biomaterialien entwickelt. Eins davon basiert auf dem in Deutschland heimischen Hanf. Herkömmliche Hanf-Dämmstoffe enthalten Stützfasern aus Polyester, um die Pflanzenfasern zusammenzuhalten. Jetzt übernimmt ein Biopolymer, das aus Mais gewonnen wird, diese Funktion. Der neue Dämmstoff besteht somit zu hundert Prozent aus Naturprodukten und ist komplett biologisch abbaubar. Seine bauphysikalischen Qualitäten können sich sehen lassen, wie Tests gezeigt haben.

„Die Eigenschaften kommen nahe an die herkömmlicher Produkte heran“, sagt ICT-Projekt-koordinator Darius Primus. Der Natur-Dämmstoff ist leicht, hat eine geringe Wärmleitfähigkeit und erfüllt – dank einem Soda-Bad – die Anforderungen an den Brandschutz. Er nimmt leicht Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, so dass er Bauschäden vorbeugt. Einziger Nachteil: Das stützende Biopolymer, das rund zehn Prozent des Dämmstoffs ausmacht, kostet derzeit noch doppelt so viel wie Polyester.

Einen anderen Weg hat ICT-Mitarbeiter Axel Kauffmann eingeschlagen. Bei einem Projekt, das die Landesstiftung Baden-Württemberg unterstützt, hat er verschiedene Biopolymere hinsichtlich ihrer Schäumbarkeit und Einsatzmöglichkeiten für Dämmstoffplatten untersucht, um das gebräuchliche Styropor durch einen umweltfreundlichen Naturstoff zu ersetzen. Die Arbeiten haben gezeigt, dass auch dieser Weg gangbar ist. Das neue Bioprodukt hat ähnliche Eigenschaften wie Styropor und lässt sich mithin zur Wärmedämmung nutzen. Allerdings kostet es derzeit noch zwei bis drei Mal so viel. Kauffmann hofft aber, dass die Preise bei steigenden Produktionszahlen von Biopolymeren fallen werden.
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