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Montag, 13.02.2012
Tropische Blaualgen erobern Norddeutschland
Invasion könnte planktischen Lebensgemeinschaften verändern
Der Klimawandel macht sich bereits deutlich in den heimischen Gewässern bemerkbar: Berliner Wissenschaftler haben mehrere tropische Blaualgenarten, darunter Cylindrospermopsis raciborskii, in den Seen Norddeutschlands entdeckt. Bei der Suche nach dem typischen Gift dieser Blaualge erlebten die Forscher jedoch eine Überraschung: Zwar konnten sie das Toxin Cylindrospermopsin (CYN) in hiesigen Gewässern nachweisen, doch es stammt gar nicht von der eingewanderten Art, sondern von heimischen Blaualgen.

Anabaena bergii
Anabaena bergii
© IGB
Cyanobakterien oder "Blaualgen" sind weit verbreitet und vor allem im Sommer ein Problem an Badeseen. Jetzt hat ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Claudia Wiedner vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) nachgewiesen, dass sich das tropische Cyanobakterium Cylindrospermopsis raciborskii bis in die Seen Norddeutschlands ausgebreitet hat.

Als Ursache sehen die Wissenschaftler den Klimawandel an. Die Forscher fanden heraus, dass sich die tropische Art auch in Gewässern der Berliner Region häufiger ist als bisher angenommen und dass außerdem weitere tropische Cyanobakterien vorkommen. Wiedner sagt: "Wir rechnen mit weit reichenden Veränderungen der planktischen Lebensgemeinschaften unserer Gewässer durch diese Invasion tropischer Arten."

Giftproduzenten identifiziert
Zu den Forschern gehörten Experten des IGB, der BTU Cottbus und des Umweltbundesamtes. Das Team fand auch das typische Toxin Cylindrospermopsin (CYN) in hiesigen Gewässern, aber zunächst war nicht klar, ob es durch die eingewanderte Art produziert wird. Im Rahmen eines dreijährigen Projektes, stießen die Wissenschaftler auf die Giftproduzenten. Demnach kommt das Toxin überraschenderweise nicht von den tropischen Arten, sondern von zwei heimischen "Allerweltsarten" (Aphanizomenon flos-aquae und A. gracile).

"Welche Umstände das Toxinvorkommen steuern, konnten wir allerdings noch nicht vollständig aufklären.", so Wiedner. Wichtig für die Einschätzung des Gefährdungspotenzials sei die Tatsache, dass das Toxin nicht in den Zellen gebunden, sondern frei gelöst im Gewässer vorkommt. "Unsere Forschungsergebnisse weisen auf weitere, bisher nicht identifizierte Produzenten hin", sagt die Forscherin.

Ratschläge zur Überwachung von Badegewässern
Daneben sei zu beachten, dass es innerhalb einer Art unterschiedliche Anteile von Genotypen gibt, die zur Toxinproduktion in der Lage sind. Vereinfacht gesagt: Manche Organismen einer Art können das Gift produzieren, andere derselben Art können dies nicht.

Die IGB-Wissenschaftlerin sagt, die Ergebnisse "bilden eine gute Grundlage, um konkrete Empfehlungen zur Überwachung von Badegewässern und Trinkwasserressourcen erarbeiten zu können." Jetzt gehe es darum zu klären, welche Faktoren die Verbreitung des Toxins und das Maß der Giftproduktion steuern.

Im Rahmen eines vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei organisierten internationalen Symposiums am 19. April 2007 in Berlin werden die Ergebnisse des Forschungsprojektes sowie ein Ausblick auf die künftige Entwicklung von Cyanobakterien und Toxinen in unseren Gewässern präsentiert.
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