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Montag, 13.02.2012
Forscher stoppen Diabetes
Neue Therapie bekämpft Ursachen und bremst Fortschreiten der Krankheit
246 Millionen Diabetiker gibt es heute weltweit – Tendenz stark steigend. Doch jetzt haben Forscher der Universität Zürich eine neue Therapie gegen die Volkskrankheit entwickelt, die die Ursache der Diabetes bekämpft und erstmals auch das Fortschreiten der Krankheit bremst. Erste Tests an Patienten waren bereits erfolgreich, so die Wissenschaftler im "New England Journal of Medicine".

Süße Verführung bald auch für Diabetiker?
Süße Verführung bald auch für Diabetiker?
© IMSI MasterClips
Diabetes Typ 2 ist mit einer epidemieartigen Zunahme der Anzahl von Patienten in vielen Ländern zum Gesundheitsproblem Nummer 1 geworden. Fast die Hälfte dieser Patienten ist zwischen 40 und 59 Jahren alt. Wirksame neue Therapien, die nicht nur den Blutzucker senken, sondern auch das Fortschreiten der Krankheit und ihrer Komplikationen mit einer möglichst sicheren und einfachen Medikamenten-Verabreichung verhindern, sind dringend notwendig.

Seit zehn Jahren arbeitet die Forschungsgruppe von Marc Donath, Professor für Endokrinologie an der Universität Zürich, am besseren Verständnis der Krankheit, mit dem Ziel, diese wirksamer bekämpfen zu können. Bei Diabetes Typ 2 führt das Überangebot an Nährstoffen, vor allem Glukose (Blutzucker), zu einem Versagen und Absterben der insulinproduzierenden Zellen.

Das Team von Donath konnte zeigen, dass der Vermittler dieses Versagens ein Molekül namens Interleukin-1-Beta ist. Basierend auf dieser Erkenntnis setzte die Gruppe ihre Arbeit mit dem Versuch fort, diesem Interleukin-1-Beta entgegenzuwirken. Vor drei Jahren initiierte Donath eine Studie an 70 Patientinnen und Patienten und in Zusammenarbeit mit einer Forschungsgruppe am Steno Diabetes Center in Dänemark. In einer so genannt placebokontrollierten Studie erhielt die eine Hälfte Patientinnen und der Patienten einen Blocker von Interleukin-1-Beta und die andere Hälfte ein Placebo. 39 Patientinnen und Patienten und wurden in Zürich und 31 in Dänemark behandelt.

Insulinproduktion verbessert, Entzündungsfaktoren gehemmt
Spritze
Spritze
© Ursula Meisser Spritze
Bei den therapierten Patienten und Patientinnen zeigte sich bereits nach einer Woche eine deutliche Verbesserung des Blutzuckerstoffwechsels, die während der gesamten Studiendauer von drei Monaten anhielt. Die neue Therapie wurde außerordentlich gut toleriert bis auf eine lediglich leichte und vorübergehende Rötung an der Einspritzstelle. Erfreulicherweise wurde nicht nur die Insulinproduktion verbessert, sondern auch spezifische Entzündungsfaktoren gehemmt, die auch für Komplikationen von Diabetes, wie zum Beispiel im Herz-/Kreislaufbereich, eine Rolle spielen. Somit konnte Donath den Beweis an Patienten und Patientinnen erbringen, dass die Blockierung von Interleukin-1-Beta den Diabetes Typ 2 verbessert.

Diese Entdeckung eröffnet nach Ansicht der Wissenschaftler mehrere attraktive Perspektiven: Zum ersten Mal kann durch die Blockierung eines ursächlichen Faktors der Krankheit, deren Fortschreiten gebremst werden. Zudem kann auf diesem Weg auch anderen Krankheiten wie Herz-/Kreislauf-Krankheiten, die mit Diabetes häufig einhergehen, vorgebeugt werden. Bereits existieren Langzeit-Interleukin-1-Beta-Blocker, die es erlauben werden, den Diabetes mit ein- bis dreimonatlichen Spritzen zu behandeln anstelle der heute erforderlichen mehrmals täglichen Medikamenten-Einnahme.
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