Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
EU: Baden erlaubt
Bericht bestätigt gute Wasserqualität an Seen und Küsten
Die Badewasserqualität in den 25 Mitgliedstaaten der Europäischen Union entsprach im letzten Jahr fast überall den Hygienevorschriften. Dies geht aus dem Bericht 2006 der EU-Kommission hervor. Der Report zeigt, dass an Küsten 96 Prozent (%) und an Flussufern und Seen 89 % der Strände die Anforderungen an die Wasserqualität erfüllten.

Strand
Strand
© IMSI MasterClips Strand
2006 wurden insgesamt 21.094 Badegewässer untersucht; dies ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Davon waren etwa 14.345 Küstengewässer und 6.749 Binnengewässer.

Die Zahl der Badegebiete, die von der amtlichen Liste gestrichen wurden, ist zwar im Vergleich zu den Vorjahren zurückgegangen, die EU-Kommission hält diese Praxis aber weiterhin für bedenklich. Sie befürchtet, dass damit in einigen Fällen Umweltprobleme vertuscht und die Ergebnisse künstlich verbessert werden sollten, ohne dass das eigentliche Übel an der Wurzel gepackt wird. Deshalb hat sie gegen elf Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.

"Es ist ermutigend, dass sich 2006 bei den Binnengewässern der Prozentsatz der Badegebiete, die die Vorschriften erfüllen, gegenüber den enttäuschenden Ergebnissen von 2005 wieder erhöht hat. Ich hoffe, dass sich dieser positive Trend fortsetzt und wir demnächst bei Binnengewässern dieselben Werte vorweisen können wie bei Küstengebieten. Trotz dieser ermutigenden Ergebnisse bin ich allerdings sehr besorgt darüber, dass so viele Badegebiete von der amtlichen Liste gestrichen wurden. Es reicht nicht, Gebiete wegen Verschmutzung einfach von der Liste zu nehmen. Die Mitgliedstaaten müssen Pläne erarbeiten, um diese Verschmutzungen zu beseitigen.", erklärte hierzu h EU-Umweltkommissar Stavros Dimas.

Nachholbedarf bei Binnengewässern
Bei den Küstengewässern ist der Prozentsatz der Gebiete, die den verbindlichen Werten entsprechen, mit 96,1 % unverändert. Die Ergebnisse zeigen, dass bei den Binnengewässern die Verschlechterung von 2005 teilweise wieder wettgemacht wurde. Die verbindlichen Werte wurden 2006 in 88,6 % der Gebiete gegenüber 85,7 % im Vorjahr eingehalten.

Die Gebiete, in denen die strengeren Leitwerte eingehalten wurden, stiegen 2006 laut dem Report mit 63,8 % gegenüber 63,1 % im Vorjahr leicht an. 2006 haben die Mitgliedstaaten 88 Küstengebiete und 166 Badegebiete von Binnengewässern von den nationalen Listen der Standorte, die den Vorschriften der Richtlinie entsprechen, gestrichen.

Bessere Wasserqualität in den alten Mitgliedstaaten
Der Prozentsatz der Badegebiete, die den Vorschriften entsprechen, ist in den alten Mitgliedstaaten weiterhin höher als in den neuen, so der Bericht weiter. 2006 ging dieser Prozentsatz in den alten Mitgliedstaaten allerdings leicht zurück, während er in den neuen Mitgliedstaaten um etwa 25 % Prozentpunkte zunahm. Zwei Jahre nach dem Beitritt der neuen Mitgliedstaaten zur EU beträgt der Anteil der Gebiete, in denen die verbindlichen Werte eingehalten werden, bei Küstengewässern 94,9 % und bei Binnengewässern 81,2 % (gegenüber 96,2 % bzw. 90,0 % in den alten Mitgliedstaaten).

Die Mitgliedstaaten müssen jedes Jahr einen Bericht über die Qualität der Badegebiete ihrer Küsten- und Binnengewässer erstellen. Badegewässer sind Gebiete, in denen das Baden ausdrücklich erlaubt ist, oder die traditionell von vielen Badenden genutzt werden und in denen das Baden nicht verboten ist. Zur Feststellung der Qualität werden die Gewässer anhand einer Reihe physikalischer, chemischer und mikrobiologischer Parameter, für die in der Badegewässer-Richtlinie verbindliche Werte festgesetzt sind, analysiert.

Am 6. April letzten Jahres hatte die EU-Kommission Deutschland eine erste schriftliche Mahnung geschickt, da bestimmte Badegebiete nicht mehr in ihren amtlichen Listen aufgeführt waren und somit die EU-Vorschriften umgangen wurden. Die Streichung von Badegebieten von den amtlichen Listen muss ordnungsgemäß begründet werden, da diese Maßnahme keine Reaktion auf Verschmutzung darstellen darf. Deutschland hat bereits mit einer Erklärung für die Streichung der bereits ausgewiesenen Badegebiete geantwortet. Diese wird derzeit von der EU-Kommission geprüft.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Seen, Küsten, Strände, Badewasser, Gewässer
Weitere News zum Thema
Regenwald als Schmetterlingsparadies (23.12.2011)
Forscher entdecken in Ecuador und Costa Rica zahlreiche unbekannte Falterarten
Intakte Seen als Methan-Schleudern (21.12.2011)
Auch aus sauerstoffreichen und nährstoffarmen Gewässern wird Treibhausgas freigesetzt
Stickstoff-Überdüngung reicht bis in unberührte Arktis-Seen (16.12.2011)
Mensch verändert chemische Kreisläufe seit mehr als hundert Jahren
Auch Fische beherrschten schon den Vierbeinergang (13.12.2011)
Lungenfische konnten schon Millionen Jahre vor dem Landgang der Wirbeltiere laufen
Europäischen Gewässern droht eine Pestizid-Schwemme (08.12.2011)
Klimawandel wird Spritzmitteleinsatz bis 2090 verdoppeln
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Strand
Fragiles Idyll aus Wellen, Sand und Wind
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
Trinkwasser
Hat Deutschland ein Wasserproblem?
Bedrohtes Paradies Wattenmeer
Wo der Meeresboden begehbar ist...
News des Tages
Schmelzende Polkappen machen Afrika „nass“
Zelle: Wie Protein-Fabriken entstehen
EU: Baden erlaubt
Klimaschutz als Menschenrecht
Neuer Super-Computer für die Polarforschung
Dioxin-Cocktail in Dorschleber
Bücher zum Thema
Wasser
Die weltweite Krise um das blaue Gold von Marq de Villiers
H2O
Biographie des Wassers von Philip Ball
Fair Future
Ein Report des Wuppertal Instituts
Genius - Task Force Biologie
Strategiespiel zu umweltwelt- verträglichem Handeln
50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Welt zu retten...
von Andreas Schlumberger
Globale Umweltprobleme
Ursachen und Lösungsansätze von Eike Roth
Wodurch sind wir in die ökologische Bedrohung geraten?
von Jaspar von Oertzen und Franz Alt
Die Ostsee
Eine Natur- und Kulturgeschichte von Hansjörg Küster
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis