Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 25.05.2012
Krebs erregende Stoffe in Werkzeugen
Baumärkte nehmen nach WDR-Stichprobe Hammer und Schrauber aus den Regalen
Der längere Kontakt mit Werkzeuggriffen oder Kabelummantelungen kann zu schweren Gesundheitsschäden bis hin zu Krebs führen, so das Ergebnis einer Stichprobe des WDR-Wirtschaftsmagazins "markt". In vier von zehn Werkzeugen aus Baumärkten hatte der TÜV Rheinland in erheblichen Mengen so genannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden.

Krebszellen
Krebszellen
© National Cancer Institute
Die empfohlenen Richtwerte wurden dabei bis zum rund Hundertfachen überschritten, wobei laut Renate Krätke vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin selbst schon bei kleinsten Mengen unterhalb der Richtwerte "ein Risiko für den Menschen nicht ausgeschlossen ist."

Besonders besorgniserregend ist laut "markt", dass in allen vier Fällen auch erhebliche Rückstände der Chemikalie Benzoapyren gefunden wurden. Benzoapyren gehört ebenfalls zur PAK-Gruppe und kann laut Gefahrstoffverordnung unter anderem Krebs erzeugen, das Erbgut schädigen und das Kind im Mutterleib gefährden.

Dennoch wurde beispielsweise bei einem Kunststoffgriff für eine Handsäge der Benzoapyren-Richtwert um das 79-Fache überschritten. Auch deutlich belastet waren die Kabelummantelung für einen Bohrschrauber sowie die Griffe eines Maurerhammers und eines Schraubendrehers.

Verkauf eingestellt
Zwei große deutsche Baumarkt-Ketten, die drei dieser Werkzeuge führen, haben nach Bekanntwerden der Ergebnisse den Verkauf sofort eingestellt. Eine weitere Kette, die die Handsäge vertreibt, will diese Entscheidung von eigenen Untersuchungen abhängig machen.

Die Stichprobe ist laut dem WDR-Magazin ein Indiz dafür, dass vor allem aus Kostengründen nach wie vor Werkzeuge im Handel sind, deren Kunststoffe mit gefährlichen Teerölen versetzt wurden. Die darin befindlichen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe können durch Hautkontakt schnell auf den Menschen übertragen werden. Dabei sind die Gesundheitsgefahren seit längerem bekannt.

Laut TÜV Rheinland gibt es auch keine technische Notwendigkeit: "Das ist vermeidbar. Eigentlich wäre ich davon ausgegangen, dass wir mittlerweile in weniger Werkzeugen diese Schadstoffe finden", so Beate Gorzawski vom TÜV.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Umweltgifte, Krebs, Schadstoffe, Gesundheit, Chemie, Werkzeuge
Weitere News zum Thema
Folgen von Umweltgiften noch bei Urenkeln messbar (22.05.2012)
Chemische Belastung verändert Genaktivität der Nachkommen
Lösungsmittel fördern Autismusrisiko beim Kind (14.03.2012)
Chemikalien-Belastung der Eltern am Arbeitsplatz schädigt möglicherweise Ungeborenes
2011: „Dicke Luft“ in Deutschland (07.02.2012)
Hohe Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid ermittelt
Umweltgifte schwächen Impfschutz von Kindern (26.01.2012)
Perfluorierte Tenside hemmen schützende Immunreaktion
Deutsches Trinkwasser „sehr gut“ (20.01.2012)
Neuer Bericht: Grenzwertüberschreitungen sind die Ausnahme
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Umweltgifte
Neue Gefahr für die Gesundheit des Menschen?
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
Der Tod
Tabu und Faszination
Unter die Haut
Barriere im Belagerungszustand
News des Tages
Startschuss für Europas „Superlampe“
Protein-Baumeister mit zwei Arbeitsplätzen
Antike: Peitschenhiebe statt Roter Karte
Detektor-Winzling spürt Luftschadstoffe auf
Krebs erregende Stoffe in Werkzeugen
Diesel werden sauberer
Mathematik legt Netzwerkarchitektur offen
Bücher zum Thema
Thema Krebs
von Hilke Stamatiadis- Smidt, Harald zur Hausen und Otmar D. Wiestler
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Wodurch sind wir in die ökologische Bedrohung geraten?
von Jaspar von Oertzen und Franz Alt
Globale Umweltprobleme
Ursachen und Lösungsansätze von Eike Roth
Fair Future
Ein Report des Wuppertal Instituts
Genius - Task Force Biologie
Strategiespiel zu umweltwelt- verträglichem Handeln
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Mensch trägt direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei
5. Straßenlaternen verändern Tierwelt des Bodens