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Montag, 13.02.2012
Weltklimarat: Zeit für Zweifel ist vorbei
IPCC verabschiedet Zusammenfassung des 4. Statusberichts
Nach längeren Debatten hat das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) am Freitag den mit Spannung erwarteten Synthesebericht zum 4. Weltklimabericht veröffentlicht. In ihm wird noch einmal betont, dass der Klimawandel nicht nur menschengemacht und bereits Realität ist, sondern dass konzertiertes Handeln dringend nötig ist.

Atmosphäre
Atmosphäre
© NASA
„Die Zeit für Zweifel ist vorbei“ – mit diesen Worten eröffnete Rajendra Pachauri, Vorsitzender des IPCC seine Präsentation des zusammenfassenden Reports des vierten Weltklimaberichts. „Das IPCC hat unzweifelhaft die Erwärmung für unser Klimasystem bestätigt und sie direkt mit der menschlichen Aktivität verknüpft.“

Der Synthesebericht fasst die Inhalte der bereits im ersten Halbjahr 2007 veröffentlichten Teilbände des 4. Sachstandsbericht zusammen. Die beiden Kernaussagen: Die Klimaänderung findet statt, die Folgen sind spürbar, ohne schnelles Gegensteuern drohen unkontrollierbare Risiken. In seinen drei Teilberichten hat das IPCC erstmals klar die Risiken benannt, die drohen, wenn die globale Erwärmung weiter voran schreitet: „Der Klimawandel ist eine ernsthafte Bedrohung für die Entwicklung überall auf der Welt“, so Pachauri.

Die Fakten
Bei einem Anstieg um ein bis zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten sind bereits ernsthafte Risiken für viele einzigartige und bedrohte Ökosysteme zu befürchten. Schon jetzt haben sich die Niederschlagsmuster in einigen Regionen verschoben, Mittelmeer und Sahelzone sind noch trockener, Nordeuropa und die östlichen Gebiete von Nord- und Südamerika noch feuchter geworden.

Bei einem Anstieg der globalen Erwärmung um mehr als etwa 2,5 Grad wären dagegen bereits 20 bis 30 Prozent der Arten weltweit vom Aussterben bedroht. Außerdem drohen dann die polaren Eiskappen in Teilen abzuschmelzen. Das könnte zu einem schnelleren Anstieg des Meeresspiegels über die nächsten Jahrhunderte führen – Pachauri spricht hier von Metern. Veränderungen der Küstenlinien und großflächige Überschwemmungen wären die Folge. Die Umwälzungen verändern zudem die Meeresströmungen und damit sowohl die marinen Ökosysteme als auch die CO2-Pufferwirkung des Ozeans.

Lösungen gibt es, handeln tut not
Die zweite Kernaussage des zusammenfassenden Reports ist die, dass die Menschheit die Instrumente in der Hand hat, um die Risiken zu mindern und abzuwenden. Der Prozess selbst lässt sich zwar nicht mehr umkehren, wohl aber bremsen. Mit geeigneten Politiken und einem effektiven internationalen Klimaregime könne es gelingen, so das IPCC, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um mindestens die Hälfte gegenüber dem Basisjahr 1990 zu reduzieren.

„Stabilisierung der Emissionen kann durch ein Portfolio von Technologien erreicht werden, die entweder heute schon vorhanden sind oder in den kommenden Jahrzehnten marktreif werden”, so Pachauri. Er betont, dass „ein effektives Kohlenstoff-Preissignal ein bedeutendes Vermeidungspotenzial in allen Sektoren freisetzen könnte.“

Offene Fragen
Gleichzeitig wirft Pachauri in seiner Präsentation des Synthesisreports jedoch auch bewusst Fragen auf: „Wie bereiten wir die Menschheit auf den Meeresspiegelanstieg und die geographischen Veränderungen vor? Welche Veränderungen im Lebensstil, in Verhaltensweisen und Managementformen sind nötig und bis wann?“ Klar stellte er heraus, dass der Klimawandel nicht alle Menschen gleichermaßen trifft. Afrika, Asien und die kleinen Inselstaaten werden die am stärksten Betroffenen sein.

Nach der Vorlage des Weltklimaberichts war ein Streit über die Schlussfolgerungen des Dokuments entbrannt. Die USA sahen keine eindeutige wissenschaftliche Definition der Risiken des Klimawandels. Der Leiter des UN-Klimareferats in Bonn, Yvo de Boer, mahnte jeodch, die Verantwortung der Gesellschaft für die Erderwärmung nicht zu bestreiten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die Weltöffentlichkeit, ein Scheitern der UN-Klimakonferenz in Bali zu verhindern.
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