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Samstag, 04.02.2012
Blutströpfchenfalter ist Insekt des Jahres 2008
Kuratorium wählt bedrohtes Krainer Widderchen aus
Das bedrohte Krainer Widderchen ist das Insekt des Jahres 2008. Dies hat jetzt die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) bekannt geben. Der Schmetterling fällt mit einer Flügelspannweite von vier Zentimetern und der schwarzroten Färbung sofort auf. Die leuchtend roten Punkte auf schwarzem Vorderflügel sind seine Kennzeichen. Im Volksmund wird er deshalb auch Blutströpfchenfalter genannt. Die Färbung ist eine Warnung für Feinde: Raupen und Falter sind giftig, so die BBA.

Das Krainer Widderchen
Das Krainer Widderchen
© Jürgen Rodeland Das Krainer Widderchen
Das Insekt des Jahres wurde bereits zum zehnten Mal proklamiert. Das Kuratorium will damit auf diese besondere Tiergruppe hinweisen, die in der Bevölkerung entweder nur als lästig - Wanzen und Mücken -, oder in wenigen Fällen als schön empfunden werden - wie Schmetterlinge. Dabei sind Insekten die größte Tiergruppe überhaupt. Schätzungen gehen davon aus, dass 80 Prozent aller Tiere Insekten sind.

Das Krainer Widderchen trägt den Namen Blutströpfchen zusammen mit noch einem Dutzend anderen, verwandten Widderchen, die sehr ähnlich aussehen. Es wurde für die ganze Gruppe der Blutströpfchenfalter ausgewählt. Das Kuratorium „Insekt des Jahres“ will damit darauf hinweisen, dass der Lebensraum dieser Schmetterlinge immer mehr eingeengt wird.

Die Magerrasen, in denen die Raupen leben, werden weniger, da verbaut und aufgeforstet wird. Am Kaiserstuhl wichen die Magerrasen Weinbergen und damit sind die Falter dort sogar ganz verschwunden. An Böschungen und Bahndämmen sind Widderchen aber manchmal noch zu finden. Das Blutströpfchen kommt in ganz Deutschland vor, bis auf die drei nördlichsten Länder Schleswig-Holstein, Nördliches Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, wo es wohl zu kalt ist. Es heißt übrigens Krainer Widderchen, weil es in der Krain in Slowenien erstmals beschrieben wurde.

Sechs Häutungen sind normal
An ihren besonderen Fühlern kann man die Widderchen erkennen, die etwas verdickt und gebogen sind und deshalb an die Hörner eines Widders erinnern. Widderchen gibt es, so die BBA, in Deutschland schon seit 30 Millionen Jahren, wie Funde in der Schwäbischen Alb belegen.

Das Krainer Widderchen schlüpft frühestens im Juni aus einem gelben, gesponnenen Kokon, meistens in den Morgenstunden. Die Falter leben höchsten zwei Wochen, in denen sie tagsüber umherfliegen, auf der Suche nach Nektar und nach Partnern, um sich zu vermehren. Die Eier werden vor allem an zwei Pflanzen abgelegt: auf der Esparsette und auf dem Gemeinen Hornklee. Die unauffällig gefärbte Raupe häutet sich zweimal, um dann in die Winterruhe zu gehen. Im April oder Mai wird sie dann erneut aktiv, frisst sich satt und groß und häutet sich noch viermal.

Die großen Raupen sind grünlich gefärbt mit schwarzen Flecken an den Seiten und auf dem Rücken. Sie spinnt ein Puppengespinnst, einen gelblichen Kokon an der Spitze eines Grashalms, aus dem nach etwa zwei Wochen der Schmetterling schlüpft. Vom Juni bis zum August sind die farbenfrohen Falter zu beobachten.

Vorsicht giftig
Die Hauptnahrungsquelle der Raupen ist die Esparsette, eine bis sechzig Zentimeter hohe, rosa blühende Pflanze, die zu den Schmetterlingsblütlern gehört. Sie wächst auf ärmeren, etwas sandigen Kalkböden, eben den typischen Magerrasen. Aus einer Rosette von zehn bis 15 Zentimeter langen Fiederblättchen treibt sie verästelte, langgestielte Blütentrauben. Der Blutströpfchenfalter wird daher manchmal auch Esparsetten-Widderchen genannt. Aber Hornklee frisst er nach Angaben der BBA auch gern. Die Falter besuchen außerdem Disteln, Flockenblumen und viele Dolden- und Korbblütler, um dort Nektar aufzunehmen.

Raupen und Falter der Krainer Widderchen produzieren Blausäure und warnen gleichzeitig ihre Feinde mit ihren grellen Farben davor, sie zu fressen. Man sollte sie also nicht berühren und Kinder davor bewahren, die giftigen Raupen in den Mund zu nehmen, warnt die BBA.
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