Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
Neues Gen für Grauen Star identifiziert
Forscher hoffen auf Behandlung ohne Operation
Unter Grauem Star oder Katarakt leiden sowohl ältere Menschen als auch Kinder. Ein Forscherteam hat jetzt ein Gen entdeckt, das eine Form der Katarakt bei Kindern verursacht. Sie hoffen, dass identifizierte Erbgutbaustein auch wichtige Erkenntnisse über den altersbedingten Grauen Star und eine Behandlung ohne Operation eröffnet.

Auge
Auge
© MMCD Auge
Die Katarakt wird durch eine Linsentrübung verursacht, die zu erheblichen Sehbehinderungen führen kann. Eine erfolgreiche Behandlungsmethode stellt gegenwärtig die operative Entfernung der getrübten Linse und deren Ersatz durch eine künstliche Linse dar. Man unterscheidet zwischen Kindheitskatarakt - angeboren oder in früher Kindheit auftretend - und Alterskatarakt (Grauer Star).

Altersbedingter Grauen Star noch immer rätselhaft
Während bei sehbehinderten Kindern in nur circa 14 Prozent aller Fälle Katarakt die Ursache ist, tritt der Graue Star bei etwa jeder zweiten Person im Alter über 60 Jahre auf. Der Linsentrübung liegen verschiedene Ursachen zu Grunde. Durch die Erforschung von Mutationen im Erbgut konnten bisher mehrere Gene identifiziert werden, die unterschiedliche Funktionen in der Augenlinse haben.

Blick mit einer normalen Linse
Blick mit einer normalen Linse
© Stephan Labs Blick mit einer normalen Linse
Diese Gene kodieren für Proteine, die eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Linse oder Aufrechterhaltung einer normalen Funktion spielen. Während alle Mutationen in diesen bekannten Genen Kindheitskatarakt verursachen, sind bis heute die genetischen Faktoren für den altersbedingten Grauen Star weitgehend unbekannt.

Ein Forscherteam vom Institut für Medizinische Genetik der Universität Zürich und Kollegen der ETH Zürich, der Universität Köln, des Inselspitals Bern und der Augenklinik Luzern berichtet nun in der Fachzeitschrift „American Journal of Human Genetics“ über die Entdeckung eines neuen Gens, das eine Kindheitsform der Katarakterkrankung verursacht.

Heilung ohne Operation
„Wir untersuchten das Erbgut von Patienten und gesunden Familienmitgliedern und konnten sowohl die chromosomale Position als auch den spezifischen Gendefekt identifizieren", erklären Barbara Kloeckener-Gruissem und Wolfgang Berger von der Universität Zürich. Das entsprechende Protein gehört zur Familie der Monocarboxylat Transporter, die Moleküle durch die Zellmembran befördern. Bisher ist noch keine Krankheit bekannt, die mit dem Genprodukt im Zusammenhang steht.

Blick durch eine getrübte Linse
Blick durch eine getrübte Linse
© Stephan Labs Blick durch eine getrübte Linse
Neu ist auch, dass dieser Gendefekt zusätzlich zu einer Glukosurie - erhöhter Glukosewert im Urin, aber nicht im Blut - führen kann. Die Suche nach dem Molekül, das der Transporter durch die Zellmembran befördert, wird im Moment intensiv verfolgt. Die Forscher vermuten, dass ein Defekt in diesem Gen den metabolischen Haushalt sowohl in der Augenlinse, als auch in der Niere stört.

„Wir hoffen, dass wir mit dem neu entdeckten Gen neue Einblicke in den altersbedingten Grauen Star erhalten", sagt Kloeckener-Gruissem. Die Wissenschaftler suchen jetzt bei Patienten mit einer altersbedingten Katarakt nach Defekten in diesem Gen. „Vielleicht eröffnet dies in Zukunft Möglichkeiten, Kindheitskatarakte und auch den Grauen Star ohne Operation zu behandeln.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Grauer Star, Gene, Erbgut, Krankheit, Augen, Linse, Operation, Therapie
Weitere News zum Thema
Hitzeschockproteine schützen vor grauem Star (28.07.2009)
Struktur eines Schutzproteins der Augenlinse aufgeklärt:
Gendefekt macht Mäuse blind (03.04.2008)
Wenn mangelnde Kommunikation ins Auge geht
Drucksensor im Auge (04.09.2007)
Bauteil in künstlicher Linse überwacht automatisch den Augeninnendruck
Hundegenom entschlüsselt (08.12.2005)
“Bester Freund des Menschen” eröffnet neue Ansatzmöglichkeiten gegen Krebs und Co.
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
DNS-Scanner
Genetik
Dossiers zum Thema
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
DNS-Scanner
Gencheck mit Terahertz-Strahlung
Gentherapie
Hybris oder Heilsbringer?
Genpatente
Wem gehört das Leben?
Teamwork der Sinne
Auch die Augen hören mit
Duft
Von der Nase ins Gehirn
News des Tages
Gene machen Amöben zu Betrügern
Gier lässt Weiße Zwerge explodieren
Nahrungsketten: Das Chaos regiert
Dicke mit höherem Krebsrisiko
Laser als Bohrmaschine
Neues Gen für Grauen Star identifiziert
Bücher zum Thema
Die neue Welt der Gene
Visionen - Rätsel - Grenzen von Joachim Bublath
Es wird ein Mensch gemacht
Möglichkeiten und Grenzen der Gentechnik von Jens Reich
Dolly
Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter von Colin Tudge, Ian Wilmut & Keith Campbell
Ingenieure des Lebens
DNA-Moleküle und Gentechniker von Huub Schellekens und Marian C Horzinek (Übersetzer)
Der kleine Medicus
von Dietrich H. W. Grönemeyer
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Dem Rätsel des Riechens auf der Spur
Grundlagen der Duft- wahrnehmung von Hanns Hatt
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis