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Mittwoch, 16.04.2014

Ameisen sind echte Bauern

Pilzzüchter entwickelten sich vor 50 Millionen Jahren

Ameisen sind echte Bauern. Ihre bevorzugte Feldfrucht sind allerdings nicht Weizen oder Roggen, sondern Pilze. Wie sich ihre landwirtschaftlichen Fähigkeiten im Laufe der Evolution entwickelt haben, enthüllt jetzt eine neue Studie amerikanischer Forscher. Sie ist im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen.
Blattschneiderameise auf Pilzzucht

Blattschneiderameise auf Pilzzucht

„Landwirtschaft ist in der Tierwelt sehr selten”, erklärt der Entomologe Ted Schulz vom Smithsonian National Museum of Natural History in den USA. „Wir kennen nur vier Tiergruppen, die dies entwickelt haben: Ameisen, Termiten, Borkenkäfer und Menschen. Indem wir die Pilz-züchtenden Ameisen untersuchen, können wir die Evolution der Ameisen-Landwirtschaft besser nachvollziehen.“ Mehr als 15 Jahre verbrachten Schulz und sein Kollege Sean Brady damit, Exemplare aus 91 Ameisenarten, darunter 65 Pilzzüchtern, zu analysieren und zu vergleichen und daraus einen Stammbaum der „Bauern“ zu erstellen.

Dieser enthüllte, dass die erstaunlichen Fähigkeiten der Tiere auf einen einzigen Vorfahren zurückgehen, der vor rund 50 Millionen Jahren die Pilzzüchtung „erfunden“ hatte. In den letzten 25 Millionen Jahren haben sich vier verschiedene, spezialisierte Arten von Ameisen-Landwirtschaft darauf entwickelt. Eine davon ist die bekannte Blattschneider-Ameise. Diese Tiere schneiden und sammeln Blattstücke – nicht um sie zu essen, sondern um sie in ihren Pilzgärten als Pilznahrung einzusetzen.

Jede der „Bauern-Ameisen“ hat dabei ihre eigene Zucht spezialisierter Pilze. So entdeckte vor rund 20 Millionen Jahren eine Ameisengruppe die „höhere Landwirtschaft“: Sie kultivierten ihre Pilze so, dass diese spezielle Früchte produzierten, die die Ameisen ernten und als Nahrung essen konnten. Die Blattschneider-Ameisen, die auch zu dieser Gruppe gehören, entwickelten sich dann später, vor rund zehn Millionen Jahren.

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