Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
Strom aus Ameisensäure
Raumtemperatur genügt, um Wasserstoff für Brennstoffzellen herzustellen
Mithilfe der Wasserstofftechnologie ist es vielleicht schon bald möglich, größere Mengen an Energie umweltfreundlich und ressourcenschonend herzustellen. Rostocker Forschern ist es nun erstmals gelungen, Wasserstoff kontrolliert aus Ameisensäure zu erzeugen - ohne dass, wie bei anderen Wasserstoff generierenden Systemen, ein Hochtemperatur-Reformierungsprozess notwendig ist.

Brennstoffzelle
Brennstoffzelle
© Forschungszentrum Jülich
Wie die Wissenschaftler Björn Loges, Albert Boddien, Henrik Junge und Matthias Beller vom Leibniz-Institut für Katalyse in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, kann dieser bei Raumtemperatur gewonnene Wasserstoff direkt in Brennstoffzellen eingesetzt werden.

Saubere Energiequelle
Eine mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzelle ist die sauberste Energiequelle, denn sie emittiert nur eine Art von Abgas: Wasserdampf. Wasserstoff lässt sich bisher jedoch nicht auf praktikable Weise transportieren und speichern - Wasserstoff ist ein Gas und kann nicht einfach wie Benzin in einen Tank gefüllt werden. Bisherige Speichermedien sind groß und schwer, teuer und aufwändig.

Sinnvoller erscheint daher die Kopplung mit einem Wasserstofferzeuger, der die Brennstoffzelle direkt und genau dann mit Wasserstoff versorgt, wenn er gebraucht wird. Neben Methan und Methanol zählen vor allem nachwachsende Rohstoffe, wie Biomasse und deren Fermentationsprodukte – zum Beispiel Bioethanol -, zu den aussichtsreichsten Ausgangsmaterialien für diese Technologie. Gravierender Nachteil: die Umsetzungen laufen erst bei Temperaturen oberhalb 200 Grad Celsius und fressen damit selbst einen Teil der erzeugten Energie.

Neuer Lösungsansatz entwickelt
Die Rostocker Forscher haben nun einen praktikablen Lösungsansatz entwickelt. Sie erzeugen Wasserstoff aus Ameisensäure (HCO2H). In Anwesenheit eines Amins, beispielsweise N,N-Dimethylhexylamin, und mit Hilfe eines geeigneten Katalysators wird die Ameisensäure bereits bei Raumtemperatur selektiv zu Kohlendioxid und Wasserstoff umgesetzt. Ein einfacher Aktivkohlefilter reicht, um das Wasserstoffgas brennstoffzellengerecht zu reinigen.

Mit Hilfe der Ameisensäure als „Wasserstoffspeicher“ lassen sich die Vorteile der etablierten Wasserstoff-/Sauerstoff-Brennstoffzellentechnologie mit denen von flüssigen Brennstoffen vereinen. Ameisensäure ist ungiftig und einfach zu speichern. Da sich Ameisensäure katalytisch aus CO2 und aus Biomasse gewonnenem Wasserstoff erzeugen lässt, ist dieser Zyklus im Prinzip CO2-neutral.

Ameisensäure statt Benzin?
Statt Benzin zukünftig Ameisensäure verwenden? Nicht auszuschließen, aber zunächst einmal wahrscheinlicher sind Anwendungen, die geringere Energiemengen benötigen. „Für den Einsatz von Brennstoffzellen in tragbaren elektrischen Geräten“, so Beller, „könnte die gerade am Anfang stehende Ameisensäure-Technologie bereits in Kürze interessante neue Perspektiven eröffnen.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Wasserstoff, Energie, Strom, Brennstoffzellen, Umwelt, Klimaschutz, Chemie, Ameisensäure, Temperatur, Ressourcen
Weitere News zum Thema
Junge Fliegen duften besser (10.02.2012)
Jugendlicher Geruch wirkt auf Artgenossen attraktiver
Umweltgifte schwächen Impfschutz von Kindern (26.01.2012)
Perfluorierte Tenside hemmen schützende Immunreaktion
Mikrobe schützt Ostsee vor Ausbreitung von Todeszonen (23.01.2012)
Bakterium baut giftigen Schwefelwasserstoff ab und verringert Überdüngung
Forscher kreieren molekulares Legospiel (23.01.2012)
Komplexe Nanostrukturen bilden sich in gesteuerter Selbstorganisation
Arktisches Ozonloch droht vermutlich öfter (19.01.2012)
Ungewöhnlich tiefe Temperaturen in der Stratosphäre verstärken Ozonabbau
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Brennstoffzellen
Ökostrom
Energieeffizienz
Dossiers zum Thema
Brennstoffzellen
Alleskönner auf Wasserstoffbasis?
Mini-Kraftwerke für Zuhause und unterwegs
Brennstoffzellen – wie weit ist die Entwicklung?
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
Wie grün ist der „grüne“ Strom?
Ein ökologisches Vorzeigeprodukt in der Diskussion
Erneuerbare Energien
Welche Zukunft haben die "Ressourcen der Zukunft"
Kohle aus dem "Dampfkochtopf"
Neue Methode verwandelt Biomasse in wertvolle Rohstoffe
Kernfusion
Teure Utopie oder Energie der Zukunft?
News des Tages
Wilder Gen-Mix beim Schnabeltier
100.000 Tote in Myanmar?
Palast der Königin von Saba entdeckt
Umweltbewusstes Verhalten: Deutsche nur Mittelmaß
Große Volkszählung bei Vögeln
Artenschwund in Deutschland geht weiter
Strom aus Ameisensäure
Bücher zum Thema
Wasserstoff und Brennstoffzellen
Die Technik von morgen von Sven Geitmann
Erneuerbare Energien und Alternative Kraftstoffe
Mit neuer Energie in die Zukunft von Sven Geitmann
Was sind die Energien des 21. Jahrhunderts?
Der Wettlauf um die Lagerstätten von Hermann-Josef Wagner
Erneuerbare Energie
von Thomas Bührke und Roland Wengenmayr
Fair Future
Ein Report des Wuppertal Instituts
Genius - Task Force Biologie
Strategiespiel zu umweltwelt- verträglichem Handeln
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis