Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 25.05.2012
Schimpansenchromosom 22 entschlüsselt
Wichtige Krankheitsgene lokalisiert
Ein internationales Forscherkonsortium hat erstmals die vollständige genomische Sequenz des Schimpansenchromosoms 22 entschlüsselt. Es bildet das Gegenstück zum menschlichen Chromosom 21, auf dem Gene für eine ganze Reihe von Krankheiten liegen. Entsprechend großes Interesse besteht daher am „äffischen“ Gegenpart dieses Chromosoms.

Menschliche Chromosomen
Menschliche Chromosomen
© NIST
Die vollständige Entschlüsselung der genomischen Sequenz des Chimpansen-Chromosoms 22 und dessen genaue Analyse ist dem "International Chimpanzee Chromosome 22 Consortium", einem Team von Wissenschaftlern aus Deutschland, China, Japan, Korea und Taiwan, gelungen. Die Ergebnisse werden diesen Donnerstag in dem renommierten Wissenschaftsjournal Nature veröffentlicht.

Auffällig an dieser Leistung ist die hohe Genauigkeit, mit der die Sequenz entziffert werden konnte. Die insgesamt 33,3 Megabasen wurden mit einer Exaktheit von 99,998 Prozent sequenziert. Dieses Chromosom ist besonders interessant, weil es das Gegenstück zum Chromosom 21 des Menschen, das bestuntersuchte Chromosom überhaupt, darstellt, auf dem schon eine Reihe von Krankheitsgenen identifiziert wurden. Die dreifache Kopie des Chromosoms 21 ist für die Ausprägung des so genannten Down Syndroms verantwortlich. Beim Chromosom 22 des Schimpansen konnten die Forscher jetzt eine Reihe wichtiger Genorte identifizieren, die neben dem Down Syndrom, für weitere Krankheiten wie Alzheimer, Epilepsie oder akute Leukämie verantwortlich gemacht.

Heute weiß man, dass die DNA-Sequenzen von Schimpansen und Mensch zu 98,6 Prozent übereinstimmen. Dennoch wurden 68.000 eingeschobene und weggefallene Sequenzabschnitte identifiziert. Diese Varianzen haben zur Folge dass bei der Übersetzung des Genoms in das so genannte Proteom, der Gesamtheit aller Proteine und deren Struktur in einem Organismus, Unterschiede entstehen. Während einige Proteine bei Schimpanse und Mensch absolut identisch sind, zeigen sich bei anderen Eiweißen strukturelle Unterschiede, die zu andersartigen Funktionen führen können.

Die Sequenzierung des Chromosoms 22 wurde vom japanischen RIKEN-Institut in Yokohama sowie vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin koordiniert. In dem internationalen Forscherteam waren neben den Berliner Max-Planck-Wissenschaftlern um Prof. Hans Lehrach noch zahlreiche andere Forscher aus ganz Deutschland beteiligt, darunter Wissenschaftler aus der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig, vom Institut für Molekulare Biotechnologie in Jena sowie vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Ihre Beiträge zu diesem Genom-Projekt stellen einen wichtigen Meilenstein in der Arbeit des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) in Deutschland dar, das aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert wird.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Genom, Affe, Erbgut, DNA, Chromosom 22, Schimpanse, Gene, Krankheitsgene, Down, Genetik, Genforschung, Proteom, Sequenzierung
Weitere News zum Thema
Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht (23.05.2012)
Westeuropa trägt das weltweit höchste Risiko einer radioaktiven Kontamination
Stress macht Männer sozialer (22.05.2012)
Experiment widerlegt gängige Lehrmeinung vom aggressiven gestressten Mann
Forscher nutzen DNA lebender Zellen als digitalen Datenträger (22.05.2012)
Umkehrung eines Erbgut-Stücks speichert ein Bit an Information
Mensch trägt direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei (21.05.2012)
Veränderte Grundwassernutzung ist Hauptgrund für den Effekt
Der Rhein ist fünf Millionen Jahre älter als gedacht (21.05.2012)
Forscher korrigieren Alter des Flusses aufgrund neuer Fossilienfunde
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
Genpatente
Wem gehört das Leben?
Klonen - Menschen nach Maß?
Der Griff nach dem menschlichen Erbgut
Menschenaffen
Die Letzten ihrer Art?
News des Tages
Dogma gebrochen: „Nervenkitt“ kommuniziert
Schimpansenchromosom 22 entschlüsselt
Rätsel der "Externsteine" wird gelöst
Strahlenschutz auf Reisen
„Freundliche“ Bakterien blockieren HIV-Infektion
Alkoholismus-Gen entdeckt
Kohlenkraftwerke eine Fehlinvestition?
Bücher zum Thema
Die neue Welt der Gene
Visionen - Rätsel - Grenzen von Joachim Bublath
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Mensch trägt direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei
5. Straßenlaternen verändern Tierwelt des Bodens