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Freitag, 25.05.2012
Übergewicht entsteht im Kopf
Forscher identifizieren sechs Gene, die Appetit und Energiebalance steuern
Menschen mit Übergewicht scheinen oft besondere Schwierigkeiten zu haben, ihren Hunger zu kontrollieren. Schuld daran ist vermutlich nicht nur mangelnde Selbstdisziplin, sondern auch die Gene: Forscher entdeckten nun gleich sechs Gene, die verschiedene Hirnfunktionen wie die Appetitkontrolle oder den Energiehaushalt beeinflussen. Wie sie in „Nature Genetics“ schreiben, könnte dies Menschen auf ungesundes Essverhalten programmieren.

DNA
DNA
© MMCD
Was bestimmt, ob jemand übergewichtig wird oder normal schlank bleibt? Ist es nur das Essverhalten oder die mangelnde Selbstdisziplin? Oder spielen die Gene vielleicht doch eine Rolle und die Betroffenen haben es dadurch schwerer? Um das herauszufinden hat ein internationales Forscherteam die Gene von mehr als 32.000 Europäern aus 15 umfangreichen genetischen Studien analysiert.

Gene verändern Hirnfunktionen
Dabei entdeckten sie sechs Gene, die bei Überwichtigen vermehrt auftraten. Interessanterweise jedoch waren alle bis auf eines dieser Gene nicht für Stoffwechselfunktionen wie Fettspeicherung oder Zuckerabbau zuständig, sondern für Funktionen des Gehirns. Das Gehirn, erklärt Cristen Willer, Leiterin der Studie von der Universität von Michigan, hat zwei Hauptfunktionen, die mit dem Gewicht zusammenhängen: Es kontrolliert den Appetit und reguliert die Energiebalance, bestimmt also, ob aufgenommene Kalorien eher verbrannt oder eingelagert werden.

„Jüngere Kinder zwischen fünf und zehn Jahren, die drei der Gene besaßen, waren in diesem Alter schon schwerer als andere“, erklärt Goncalo Abecasis, ebenfalls von der Universität von Michigan. „Bei den anderen drei Genen fanden wir keinen Effekt bei Kindern, sondern nur bei Erwachsenen. Das weist auf unterschiedliche Mechanismen hin, die unser Gewicht in unterschiedlichem Alter beeinflussen.“

Auf viel Essen programmiert?
„Eines der Gene, NEGR1, kontrolliert beispielsweise die Schaltkreise des Gehirns, die das neuronale Wachstum beeinflussen“, so Abecasis. Ein weiteres, SH2B1, wurde bereits zuvor bei Versuchen an Mäusen entdeckt. War es bei diesen durch Genmanipulation ausgeschaltet, wurden sie übergewichtig, schalteten die Forscher es wieder an, kehrten die Tiere zu ihrem Normalgewicht zurück.

Nach Ansicht von Willer deuten die Ergebnisse darauf hin, dass viele Übergewichtige quasi darauf programmiert sind, zu viel zu essen. „Es ist anders, wenn man weiß, dass die Biologie das zuviel-Essen steuert und es eine große Anstrengung bedeutet, dies zu überwinden“, so Willer. „Einige Aspekte unseres Essverhaltens könnten uns angeboren sein.”
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