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Montag, 13.02.2012
Klimaschutz als "grüner" Wachstumsfaktor
Bericht zur Lage der Welt 2009 vorgestellt
Klimaschutz kann ein entscheidender Wachstumsfaktor in der Wirtschaftskrise sein. Dies ist das Fazit der deutschen Ausgabe des Berichts „Zur Lage der Welt 2009“ des Washingtoner Worldwatch Institute, der gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Atmosphäre
Atmosphäre
© NASA
Rund 40 Autoren, darunter Klima-, Energie- und Wirtschaftsexperten, präsentieren darin aktuelle Daten und Fakten zum Klimawandel und stellen unter anderem Klimaschutzmaßnahmen vor, die Nachfrage und Beschäftigung steigern können.

Wer heute in den ökologischen Umbau der Wirtschaft investiere, so der Report, werde auch bei hohen Energie- und CO2-Preisen sowie künftiger Ressourcenknappheit entscheidende Wettbewerbsvorteile haben. Gelinge aber der Aufbau einer kohlenstoffarmen Wirtschaft nicht, drohe infolge der Ressourcenerschöpfung, der schwindenden Artenvielfalt und der häufigeren Naturkatastrophen weltweit der Verlust von Arbeitsplätzen.

Ökonomischer Fahrplan gefordert
„Der Bericht zeigt den Wirtschaftsmächten, wie ein ökonomischer Fahrplan aussehen könnte, dem zweierlei gelingt: Die Wirtschaft beleben und das Klima schützen. Mit Investitionen in erneuerbare Energien, in Gebäudedämmung oder den Ausbau innovativer Stromnetze schaffen wir neue Arbeitsplätze und eröffnen die Chance, bestehende Jobs zu sichern oder umzugestalten. Die bisherige Politik kurzfristiger und wahlloser Konjunkturprogramme mit ökologisch verfehlten Effekten kann die Doppelkrise von Klima und Wirtschaft nicht lösen“, sagte Jürgen Trittin, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen gestern.

Er wandte sich damit direkt an die Vertreter führender Industriestaaten, die vom 27. bis 29. April 2009 in Washington zu einem Vorbereitungstreffen des „Major Economies Forum on Energy and Climate“ zusammengekommen sind.

Ökonomische Anreize und Reform der Steuer- und Subventionspolitik
Für ökonomische Anreize und eine Reform der Steuer- und Subventionspolitik plädierte Chris Flavin, Präsident des Washingtoner Worldwatch Institute: „Der Gebäudebestand kann durch günstige Kredite für Hausbesitzer und Energiesparfonds für Geringverdiener effektiv saniert werden. Gebäudedämmung und -sanierung schaffen Jobs in der Bauwirtschaft und sparen dort Energie ein, wo 40 Prozent der CO2-Emissionen entstehen. Der Verkehr weist von allen Sektoren die am schnellsten wachsenden CO2-Emissionen auf. Zusätzlich zu Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr brauchen wir eine staatliche Förderung von CO2-freien Antriebssystemen, vor allem der Elektroautos. Neben steuerlichen Anreizen und Forschungsförderung muss eine Infrastruktur aufgebaut werden, die gewährleistet, dass die Fahrer ihre Elektroautos jederzeit aufladen können.“

Grüne Konjunkturbelebung?
Die Chance für eine „grüne Konjunkturbelebung“ müsse jetzt ergriffen werden, forderte Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung: „Gelingt der Aufbau einer globalen, kohlenstoffarmen Wirtschaft nicht, ist die nächste Wirtschaftskrise vorprogrammiert. Nach einer kurzzeitigen Erholung wird die Wirtschaft durch den starken Anstieg des Ölpreises erneut in eine Rezession stürzen.“

Wenige Monate vor der Kopenhagener Weltklimakonferenz fasst der diesjährige Bericht des Worldwatch Institute den Erkenntnisstand zum Klimawandel zusammen und stellt Technologien, Verhaltensweisen, Institutionen und Abkommen vor, die notwendig sind, um die von vielen Wissenschaftlern prognostizierte Klimakatastrophe abzuwenden. Ende des Jahrhunderts könnte die globale Durchschnittstemperatur bis zu sechs Grad wärmer sein als zu Beginn der Industrialisierung, warnt der Bericht und plädiert für ein groß angelegtes „Joint Venture“ für Klima- und Energiesicherheit zwischen Industrie- und Schwellenländern.
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