Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
Verursacher des Bluthochdrucks aufgespürt
Weltweites Forschernetzwerk entdeckt acht neue Blutdruck-Gene
Wissenschaftler haben acht häufige Genvarianten identifiziert, die den Blutdruck beeinflussen. Die Forscher stellen die Ergebnisse ihres einzigartigen Datenabgleichs in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts „Nature Genetics“ vor.

DNA
DNA
© MMCD
„Zum ersten Mal ist es einem internationalen Wissenschaftler- Konsortium gelungen, genetische Varianten zu identifizieren, die sich auf den Blutdruck auswirken. In Deutschland leidet etwa jeder fünfte Erwachsene unter Bluthochdruck. Die Wissenschaftler sind damit der Aufklärung der genetischen Ursachen dieser weit verbreiteten Erkrankung ein großes Stück näher gekommen“, erklärt Professor Rainer Rettig von der Universität Greifswald. Zusammen mit Kollegen aus der Greifswalder Gesundheitsstudie (Study of Health in Pomerania - SHIP) und des Zentrums für Innovationskompetenz Funktionelle Genomforschung (ZIK FunGene) sowie mehr als 150 Wissenschaftlern aus 93 Forschungseinrichtungen in Europa und den USA war er an der neuen Studie beteiligt.

Menschliches Genom „durchsiebt“
Die Greifswalder Wissenschaftler „durchsiebten“ das menschliche Genom auf der Suche nach Genvarianten, die sich auf den Blutdruck auswirken. Dabei verglichen sie circa 2,5 Millionen Genvarianten von über 4.000 Studienteilnehmern aus Greifswald, Stralsund und Umgebung und maßen über 4.000 Mal exakt den Blutdruck. Weltweit wurden auf diese Weise über 34.000 Menschen untersucht.

Gemeinsam gelang es dem internationalen Wissenschaftler-Verbund, acht genetische Varianten ausfindig zu machen, die jeweils ursächlich mit einem leicht erhöhten oder niedrigeren Blutdruck in Zusammenhang gebracht werden konnten. Um ganz sicher zu gehen, dass die Befunde auch wirklich zutreffen, überprüften die Wissenschaftler die gefundenen Genvarianten zusätzlich bei weiteren circa 90.000 Europäern und 12.000 Asiaten. Somit wurde im Rahmen dieser Studie die Genetik von über 136.000 Menschen analysiert, um die „Verursacher“ des gefährlichen Bluthochdrucks aufzuspüren.

Kombination ungünstiger Varianten erhöht Risiko deutlich
Obwohl jede Einzelne der gefunden Genvarianten den Blutdruck nur geringfügig (0,5 - ein mm Hg) beeinflusst, weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass die Kombination ungünstiger Varianten das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich erhöhen kann. Außerdem, so die Forscher, tragen die neuen Erkenntnisse dazu bei, die Ursachen des Bluthochdrucks besser als bisher zu verstehen und möglicherweise neue Methoden der Behandlung dieser Erkrankung zu finden.

„Die Individualisierte Medizin ist auf dem Vormarsch“, unterstrich Rettig. „Die SHIP-Studie mit Millionen Erbinformationen ist nur eine Massendatenansammlung. Im Austausch und Abgleich mit gleichwertigen Datenmengen anderer Forschungseinrichtungen und Regionen wird der über zehn Jahre aufgebaute Fundus zu einem unschätzbaren und äußerst wertvollen Instrument der Zukunftsforschung mit noch ungeahnten Potenzialen.“

Eine Milliarde Menschen weltweit betroffen
Weltweit sind etwa eine Milliarde Menschen von der Volkskrankheit Bluthochdruck betroffen, in Deutschland allein etwa 15 bis 20 Millionen. Bluthochdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für Herzerkrankungen und Schlaganfall und verursacht pro Jahr weltweit etwa sieben Millionen Todesfälle. Wichtige Ursachen für Bluthochdruck sind ein hoher Kochsalzkonsum, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkoholmissbrauch und eine genetische Veranlagung. Welche Gene dabei eine Rolle spielen, war bisher unbekannt.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Blutdruck, Krankheit, Medizin, Gene, Erbgut, Übergewicht, Ernährung, Herzerkrankungen, Bluthochdruck
Weitere News zum Thema
Omega-3-Fettsäuren schützen Gehirn vor dem Schrumpfen (30.12.2011)
Gesunde Ernährung wirkt dem geistigen Abbau entgegen
Schichtarbeit erhöht Diabetesrisiko (08.12.2011)
Wahrscheinlichkeit steigt um fünf Prozent pro fünf Jahren Wechselschicht
Depressive sterben eher am Schlaganfall (29.11.2011)
Metaanalyse liefert neue Erkenntnisse zum Hirnschlag-Risiko
Gendefekt treibt Blutdruck in die Höhe (22.11.2011)
Veränderung sorgt für Störung des Salzhaushalts
Rätsel um „Ekel-Geräusche“ gelöst (17.11.2011)
Forscher enthüllen, was uns an Kratzgeräuschen abstößt
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
DNS-Scanner
Genetik
Dossiers zum Thema
Lebenselixier Blut
„Ein ganz besondrer Saft“
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
DNS-Scanner
Gencheck mit Terahertz-Strahlung
Personalisierte Ernährung
Maßgeschneiderte Ernährung oder Allerweltskost?
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Molekulare Motoren
Protein-„Maschinen“ als Triebfeder des Lebens
Epigenetik – Mehr als nur die Gene
Hatte Lamarck doch recht?
News des Tages
Dunkle Energie: als das Universum „ausfror“
Heißheilige statt Eisheilige?
Lag Newton falsch?
Raffiniertes Immunsystem schützt Pflanzen
Mehr radioaktives Tritium in der Asse als angegeben
Forscher enträtseln erloschene Vulkane vor Kamtschatka
Verursacher des Bluthochdrucks aufgespürt
Bücher zum Thema
Die Macht der Gene
Schön wie Monroe, schlau wie Einstein von Markus Hengstschläger
Phänomen Mensch
Körper, Krankheit, Medizin von Andreas Sentker und Frank Wigger
Intelligente Zellen
von Bruce Lipton
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Die neue Welt der Gene
Visionen - Rätsel - Grenzen von Joachim Bublath
Ingenieure des Lebens
DNA-Moleküle und Gentechniker von Huub Schellekens und Marian C Horzinek (Übersetzer)
Die Genomfalle
Versprechungen der Gentechnik, ihre Nebenwirkungen und Folgen von Ursel Fuchs
Dolly
Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter von Colin Tudge, Ian Wilmut & Keith Campbell
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis